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Reinhard Urschel zur Synode

Kommentar Reinhard Urschel zur Synode

Die Revolution, die manche Gläubige und Außenstehende, von der katholischen Kirche erwartet hatten, ist ausgeblieben. Das Abschlussdokument, das die römische Synode nach dreiwöchigen, teilweise heftigen Auseinandersetzungen am Wochenende verabschiedet hat, billigt weder die Ehescheidung noch ebnet es gleichgeschlechtlichen Partnerschaften den Weg zum Sakrament der Ehe.

Dabei werden allerdings rigorose Festlegungen vermieden, und das wiederum ist für die Fortschrittswilligen in der römischen Kirche eine gute Nachricht.

Wenn nicht alles täuscht, dann gilt zwar weiterhin die alte Regel, dass eine streitige Sache dann beendet ist, wenn Rom entschieden hat („Roma locuta, causa finit“), aber Papst Franziskus hat mehr als deutlich gemacht, dass er sein Motto „Barmherzigkeit“ nicht schon im Prinzip, sondern allein im tatsächlichen Handeln erfüllt sieht: Die Familiensynode, an der neben Bischöfen auch Laien teilgenommen haben, sagt klar und deutlich, dass Liebe, Fürsorge und die ehrliche Suche nach Gott Vorrang haben sollen vor den Normen und Dogmen. Lange, zu lange hat die Kirche das Bild vermittelt, als sei ihr der Katechismus näher als der Mensch mit seinen Schwächen.

Selbst in einer weltumspannenden Kirche wie der katholischen werden Normen und Dogmen nicht überall gleich verstanden. Das hat der Papst aus Lateinamerika mehr verinnerlicht als konservative Kirchenführer beispielsweise aus Afrika. So ist es wahrscheinlich, dass der Papst seiner Weltkirche einen größeren Freiraum einräumen wird, wenn er in absehbarer Zeit die Schlussfolgerung aus der Synode verkünden wird. Dann können Bischöfe in westlichen Gesellschaften, die mehr als ihre Mitbrüder in der Dritten Welt mit wiederverheirateten Geschiedenen zu tun haben, offener damit umgehen und sie zu den Sakramenten zulassen.

Die Spannung zwischen Moderne und Tradition hat diese Synode nicht lösen können, damit wäre sie auch überfordert gewesen. Umso wichtiger wird es sein, dass der Papst seine Haltung, die hoffentlich eine offenere sein wird als die bisherige römische Starrheit, in deutlichen Sätzen zum Ausdruck bringt. Was als „Familie“ anzusehen ist, hat sich in der modernen Welt sehr verändert, daran können die Traditionalisten nicht herumdeuteln. Wenn die Kirche die Familien weiter an sich binden will, wird sie sich der Veränderung nicht entziehen können.

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Reinhard Urschel
Leiter der Berliner Redaktion

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