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Martina Drexler zu Möbel Kraft

Leitartikel Martina Drexler zu Möbel Kraft

Möbel Kraft und kein Ende. Kein anderes Projekt hat die Stadt Kiel in den vergangenen Jahren so tief gespalten wie die Ansiedlung des Möbelhauses auf einem früheren Kleingartengelände. Das kann nicht verwundern, rührt die offenbar unendliche Geschichte an einem emotional beladenen Grundkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie: Ein Unternehmen verspricht der klammen Stadt eine Rieseninvestition (aktuell 65 Millionen Euro), dazu 250 bis 300 Arbeitsplätze und Gewerbesteuern, wenn es in Kiel seine dann achte Filiale bauen kann.

Von Beginn an – im Sommer 2011 – machte der damalige Geschäftsführer von Möbel Kraft, Gunnar George, klar, dass die Investition platzt, sollte das Unternehmen das städtische „Grundstück in 1A-Lage“ in Nachbarschaft anderer Handelsriesen nicht bekommen. Zwischen Westring und Hasseldieksdammer Weg hatten aber 330 Kleingärtner ihre Parzellen als Teil des städtischen Grüngürtels angelegt. Der Widerstand war programmiert.

Heute, vier Jahre später, rächt sich immer noch das Tempo, das der damalige Oberbürgermeister Torsten Albig vorlegte – wohl auch, um sich mit einem schnellen Wirtschaftserfolg als SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl zu profilieren. Bei den ersten Präsentationen hagelte es Proteste von Kleingärtnern und Anwohnern. Die Verwaltung habe zu spät und unzureichend informiert, opfere „im Hauruckverfahren“ ein Stück Natur den Interessen von Unternehmen. Im Mai 2012 stimmte die Ratsversammlung nach hartem Ringen mit breiter Mehrheit für den Verkauf des Areals: Die Abwägung der Interessen verlief klar zu Gunsten der Stärkung Kiels als Wirtschaftsstandort. Und auch wenn Kiels erster Bürgerentscheid im März 2014 nur knapp pro Möbel Kraft ausfiel, so steht bis heute eine deutliche demokratische Mehrheit hinter dem Kurs der Stadt.

Möbel Kraft wird also kommen. Die Frage ist allerdings wann. Erst im März das Urteil der Schleswiger Richter zur Akteneinsicht, dann im Juli die Nachricht, dass der Baubeginn sich verzögert, und jetzt die Beschwerde der Bürgerinitiative bei der Kommunalaufsicht – all das lässt den Streit wieder aufflammen. Die Verwaltung ist daran nicht ganz unschuldig. Im Rückblick ist heute den Gegnern des Projekts Recht zu geben, die schon in einem deutlich früheren Stadium eine echte Bürgerbeteiligung mit höchstmöglicher Transparenz gefordert hatten. Die Gläserne Akte kam zu spät und zeigt, wie das Verwaltungsgericht feststellte, zu große Lücken auf. Zum Glück steuert die Stadt nicht die nächste Instanz an, sondern stellt jetzt auch die Zahlen über das Wertgutachten und den Kaufvertrag ins Netz. Auch wenn sich beim Blick in die Verträge nicht nur der Bürgerinitiative weitere Ungereimtheiten aufdrängen: Ihr Vorwurf, die Stadt habe das Gelände unter Wert verkauft, wird sich nicht erhärten. Das legt die Auskunft aus der Kommunalaufsicht nahe, dass ihr die vorgebrachten Argumente aus vorangegangenen Prüfungen bekannt seien. Trotzdem: Man wird das Gefühl nicht los, dass das Projekt nach einem überhasteten Start nicht richtig in Fahrt kommt.

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Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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