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Michael Kluth zum Urteil des Sportgerichtshofs

Kommentar Michael Kluth zum Urteil des Sportgerichtshofs

Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs schafft Klarheit: Es starten jede Menge Dopingsünder bei den Olympischen Spielen. Das war wohl auch früher schon so, aber nie so unverhohlen, nie mit dem Segen des höchsten Sportgerichts und nie mit dem des Internationalen Olympischen Komitees.

Es ist ein Kotau vor der Sport- und Politmacht Russland. Nur nicht mit den Russen anlegen, scheint die Devise zu sein. Also: so viele russische Athleten wie möglich starten lassen, aber bitte nicht die Hinweisgeberin Julia Stepanowa, die das staatliche Dopingsystem aufgedeckt hatte. Beide Ziele sind erreicht.

 Mit Sport hat das alles nichts zu tun. Sondern mit Politik. Tatsächlich würde ein Totalausschluss Russlands zwar das allgemeine Rechtsempfinden befriedigen, aber es wäre ein hochriskantes Unterfangen von weltpolitischem Ausmaß, Russland als Ganzes zu isolieren und zu demütigen. Es hat schon aus geringerem Anlass internationale Konflikte gegeben. IOC-Präsident Thomas Bach leistet mit seinem Russland-freundlichen Kurs einen diplomatischen Dienst.

 Der Preis dafür ist hoch. Ihn zahlen die sauberen Athletinnen und Athleten, die fairen Sportsmänner und -frauen, die emsigen Dopingfahnder, die gläubigen Sportfans. Nicht weniger als die olympische Idee ist der politisch-diplomatischen Mission geopfert worden. Olympia wird nie wieder sein, was es mal war oder zu sein schien.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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