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Nach dem Gipfel der Gewalt

Leitartikel Nach dem Gipfel der Gewalt

Die schwersten Krawalle in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten hat der G-20-Gipfel Hamburg beschert. Hunderte Verletzte, verwüstete Straßenzüge, verkohlte Autowracks in der ganzen Stadt.

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Florian Hanauer, Chef vom Dienst bei den Kieler Nachrichten.

Quelle: Ulf Dahl

Linksautonome ziehen wie Faschisten durch die Straßen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Und sie sind nicht brandschatzend umhergezogen, weil sie an die Menschen in der Dritten Welt dachten, sondern weil Zerstörung ihnen Vergnügen bereitet. Niemand kann das als erfolgreichen Protest werten.

Die Polizei kam kaum zur Besinnung, obwohl sie noch am Freitag zusätzliche Unterstützung erhalten hat, auch aus Schleswig-Holstein. Dass ein Protestcamps in Entenwerder genehmigt wurde, in dem militante Gipfelgegner sich organisieren konnten, hat den Sicherheitsorganen die Arbeit extrem erschwert.

Die Frage ist nicht, wer versagt hat

Die Frage ist nicht, ob der Staat oder gar die Polizei versagt haben. Den Sicherheitsbeamten gebührt Dank und Respekt für ihren Einsatz in Hamburg. Die Frage ist, wie Linksextremisten eine derart brutale und menschenfeindliche Machtdemonstration abliefern konnten. Wer glaubte, dass die Rote Flora mittlerweile zu einer Art szeniger Hamburger Folklore geworden ist, wurde eines Bessern belehrt: Die Flora-Sprecher waren vor laufenden Kameras nicht in der Lage, eine klare Distanzierung von Gewalt abzuliefern, ohne ein „ja, aber“ ging es nicht. Die Frage rückt in den Vordergrund, ob es weiterhin eine Duldung eines solchen Zentrums geben darf. Auch greifen die üblichen Reflexe nicht mehr, mit denen versucht wird, der Polizei einen Teil der Schuld zuzuschieben. Gewiss, schon bei der Auftaktdemo gingen die Beamten konsequent vor, als die Vermummten Teilnehmer sich weigerten, ihre Verkleidungen abzunehmen. Aber die Schuld an den Exzessen liegt einzig bei den Gewalttätern.

Sie vertreten nicht die Mehrheit

Hamburg hat gegenüber seinen ausländischen Gästen ein zwiespältiges Bild abgeliefert. Die Delegationen kamen aus Industrie- und Schwellenländern in eine reiche deutsche Stadt, und während sie tagten, übten sich Bürgerkinder aus der ersten Welt in brutaler Gewalt gegen den „Kapitalismus“, um gleichzeitig nach „grenzenloser Solidarität“ zu verlangen.

Nein, militante Globalisierungsgegner vertreten nicht die Mehrheit der Bevölkerung. An der Globalisierung gibt es viel zu kritisieren, auch über den Sinn des G-20-Gipfels kann man streiten – aber Gewalt als Mittel des Protestes in einer Demokratie – darüber gibt es nichts zu diskutieren. Wer es nicht schafft, sich davon zu distanzieren, hat das Recht auf freie Meinungsäußerung abgegeben. Linksextremismus ist nicht harmlos, sondern kriminell wie die anderen Formen des Extremismus. Vor allem aber darf er nicht salonfähig für den Mainstream sein.

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