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Oliver Hamel zum Pflanzengift im Bier

Leitartikel Oliver Hamel zum Pflanzengift im Bier

Jetzt wird‘s ernst. Es geht ums Bier. Seit Jahren wird um das Wohl oder Wehe von Glyphosat gerungen, weltweit werden inzwischen regelrechte Kampagnenkriege ausgetragen. Und nun, da am 7. oder 8. März seitens der EU-Kommission samt Experten aus 28 Ländern eine Entscheidung über eine Nutzungsgenehmigung für weitere 15 Jahre ansteht, kommt eine alarmierende Studie ausgerechnet über das „Glyphosat im Bier“ um die Ecke. Zufall? Natürlich nicht.

Die Forschungen des Umweltinstituts München sind ein verzweifelter Versuch von in einem Verein organisierten Umweltschützern, sich auf der Zielgeraden der Entscheidung gegen die Lobby-Übermacht der Agrarindustrie zu stemmen. Es ist ein letzter Aufschrei Davids im Kampf gegen Goliath. Das Bier mit seiner hohen Symbolkraft des Reinheitsgebots dient dem Institut als prickelndes Beispiel, um nochmals deutlich zu machen, wie weit das sogenannte Pflanzenschutzmittel – das ja im Grunde ein Pflanzengift ist – schon in unser tägliches Leben vorgedrungen ist.

Geschwindigkeit und Wucht der Reaktionen auf die Untersuchung lassen ahnen, wie gering die Chancen auf Erfolg des Widerstands gegen das Gift sind. „Absurd und völlig haltlos“ nennt die Studie der Deutsche Brauer-Bund, bei dem einiger Angstschweiß ausgebrochen sein dürfte. Wie reagiert der Verbraucher? Und der Industrieverband Agrar spricht von einer „Angstkampagne“, die sich „unterstem Niveau“ nähere. Die Fronten sind eh längst geklärt.

Doch was wir jetzt erleben, ist weit mehr als nur der bisherige Höhepunkt eines Glaubenskrieges. Denn der eigentliche Goliath ist der amerikanische Glyphosat-Patentinhaber Monsanto, mit zuletzt 15 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und weit über zwei Milliarden Gewinn eine Art Google unter den Agrarkonzernen. Monsantos Ziel ist es, weltweit gentechnische Pflanzen zu etablieren, Pflanzen also, die ein eigenes Insektizid produzieren können und gegen (Monsanto-) Herbizide wie Glyphosat immun sind – ein Milliardenmarkt nach dem Milliardenmarkt also.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Glyphosat Ende Juni als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die industrienahe EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) konterte Mitte November mit ihrem Urteil „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Fakt ist doch: Es sind viel zu viel Wahrscheinlichkeiten im Spiel. Brüssel muss sich mit all seiner politischen Macht gegen die massenhafte Verbreitung eines Giftes stemmen, solange niemand sicher weiß, wie gefährlich es wirklich ist. Jetzt sind Vernunft und Verantwortung gefragt. Pflanzengift, egal in welcher Menge, hat in unserer Nahrung nichts zu suchen. Glyphosat aber ist bereits in weit mehr Lebensmittel eingesickert als nur in das Feierabend-Bier, mindestens alle Getreidesorten sind betroffen. Und seine größte Gefahr geht laut der meisten Forscher „wahrscheinlich“ ohnehin von seiner mittel- und langfristigen Wechselwirkung mit anderen Stoffen aus. Doch darüber wissen wir noch fast nichts.

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