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Patrick Tiede zu Torsten Albig

Kommentar Patrick Tiede zu Torsten Albig

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. Und Torsten Albig hat ja recht: Die Bundestagswahl 2017 scheint für die SPD schon gelaufen. Die Genossen dümpeln bei 25 Prozent herum. Gegen Angela Merkel ist kein Kraut gewachsen.

Viel spricht dafür, dass es wieder nur zur Juniorpartnerschaft in der GroKo reicht. Und so ist erklärbar, warum sich Sigmar Gabriels Lust auf eine Kanzlerkandidatur zunehmend in Grenzen hält.

Dass Torsten Albig diese traurige Arithmetik öffentlich macht, mag auch dem Sommerloch geschuldet sein, doch in der Sache ist es richtig. Fatal sind jedoch die Konsequenzen, die er daraus zieht. Wer wie die SPD mit Brandt, Schmidt und Schröder dieses Land geprägt hat, darf den grundsätzlichen Anspruch auf die Kanzlerschaft nicht einfach aufgeben. Und für wen sich Politik darin erschöpft, vorauseilende Koalitionsbereitschaft zu signalisieren, der schafft sich ab. Politik lebt vom Widerspruch. Von Überzeugung. Und auch vom Drang nach Macht.

Brecht sagt: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Torsten Albig ist es gelungen, mit wenigen Sätzen den Eindruck eines Regierungschefs zu vermitteln, der dem eigenen Laden nicht mehr viel zutraut. Doch der Partei könnte er mit seinem Weckruf einen wichtigen Dienst erwiesen haben: Die Genossen müssen jetzt Farbe bekennen, ob und was sie in diesem Land noch vorhaben.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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