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Starker Gegenwind

Leitartikel Starker Gegenwind

In Schleswig-Holstein braut sich ein Sturm zusammen. Ausgerechnet im Windland Nummer eins sprechen sich ausweislich der Umfrage der Kieler und der Lübecker Nachrichten fast so viele Menschen gegen den weiteren Ausbau der Öko-Energie aus wie dafür.

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Diesen Stimmungswandel sollte die Landespolitik nicht ignorieren. Sie muss die Sorgen von Rotorengegnern ernster als bisher nehmen, weil sonst die Akzeptanz der Windkraft weiter schwinden und der Energiewende im Norden die Puste ausgehen könnte.

In der Pflicht ist vor allem Ministerpräsident Torsten Albig. Er ist als Chef der Landesplanung gerade dabei, der Windkraft den Vorrang auf zwei Prozent der Landesfläche einzuräumen. Das sind rund 25 Prozent mehr als bisher. Schleswig-Holstein soll so auch ohne Atomkraft 300 Prozent des hier verbrauchten Stroms selbst erzeugen, also Strom-Exporteur bleiben.

Diese Rechnung allerdings haben Albig & Co am grünen Tisch gemacht. Und das zunächst im Glauben, dass viele Bürger im Geburtsland der Windkraft begeistert mitziehen. Zu dieser Fehleinschätzung kommt ein hausgemachtes Problem. Albigs Ziel, die Windplanung nach deren Inkasso durch das Oberverwaltungsgericht möglichst transparent neu aufzulegen, hat die Proteste angeheizt. Zuerst ließ Albig Karten verteilen, auf denen sage und schreibe sieben Prozent der Landesfläche als windtauglich befunden wurden. Diese Kulisse hat er inzwischen auf vier Prozent eingedampft und will sie bis Sommer nochmals halbieren.

Diese Planungsoffenheit hat vielerorts die Wogen hochschlagen lassen. Investoren sicherten sich mögliche Claims, Anti-Wind-Initiativen schossen wie Pilze aus dem Boden, nur um dann zu erfahren, dass die ganze Aufregung überflüssig war, weil das zunächst mögliche Windvorranggebiet inzwischen aus der Planung ist. Kurzum: Der Ministerpräsident verdient zwar einen Transparenzpreis, hat dem Ausbau der Windenergie aber einen Bärendienst erwiesen.

Nicht nur mit Blick auf die Landtagswahl wäre Albig gut beraten, wenn er die Ausbauziele etwas abspecken und die wachsende Zahl der Frust-Bürger besänftigen würde. Vielversprechend ist hier der Vorschlag der CDU, die Mindestabstände zwischen Wohnhäusern und Windanlagen zu vergrößern. Stromspargel mit einer Höhe von 200 Metern haben nur noch wenig mit den schnuckeligen Windrädern aus den 90er-Jahren zu tun. Es sind Industrieanlagen.

Auf den Prüfstand gehört auch die Privilegierung der Windkraft im Außenbereich. Diese Regelung im Bundes-Baugesetzbuch hatte einst den Windboom ausgelöst. Durch eine Korrektur ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der Ausbau der Windenergie würde begrenzt und absehbar nur dort stattfinden, wo eine Mehrheit der Bürger es will. Das wäre ein Weg, um die Akzeptanz der Öko-Energie wieder zu erhöhen. Seinen Beitrag zur Energiewende könnte Schleswig-Holstein gleichwohl leisten – über neue und große Offshore-Windparks vor der Küste des echten Nordens.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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