11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Thomas Pfeiffer zur Festnahme von Fifa-Funktionären

Kommentar Thomas Pfeiffer zur Festnahme von Fifa-Funktionären

Man muss sich das einmal vorstellen: Da werden sieben hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes festgenommen, da ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft rund um die WM-Vergaben 2018 und 2022, und der Fifa-Mediendirektor Walter De Gregorio behauptet im Auftrag seines Präsidenten Joseph S. Blatter: „Die Fifa ist in diesem Verfahren die Geschädigte.“

Dieser Satz verdeutlicht mehr als 1000 Worte, wie sich die ehrenwerte Gesellschaft unter der Führung des 79-jährigen Schweizers selbst definiert: als Planet, der über Mutter Erde schwebt, losgelöst von Werten wie Gesetz, Moral, Verantwortung – und damit seit Jahrzehnten durchkommt.

Wie ist das möglich? Die Basis von Blatters Machtfülle und seiner einmaligen Fähigkeit, auch die größten Krisen und Skandale einfach abperlen zu lassen, ist so simpel wie effektiv: one nation, one vote. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat als weltgrößter Sportfachverband ebenso nur eine Stimme wie die Kicker aus Trinidad und Tobago. Cleverle Blatter hat die Kleinen und Armen durch großherzige Zuwendungen – legal, illegal, sch...egal – um sich geschart und damit eine Allianz geschaffen, die die reichen und reformwilligen Europäer zur wirkungslosen Weißglut treibt.

Was die Justiz nun erreichen kann, bleibt abzuwarten. Auch wenn Blatter selbst in Auslieferungshaft säße, würde er sich am Freitag wie geplant zu Wiederwahl stellen – und gewinnen. Uns kleinen Erdenmenschen bleibt in Sachen Fifa einstweilen nur die übliche Gemütslage: Fassungslosigkeit.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Pfeiffer
Sportredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Anzeige