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U-Boot-Bauer in Not

Leitartikel U-Boot-Bauer in Not

Als Australiens Premier Malcom Turnbull in Adelaide am Dienstagmorgen vor die australischen Werftarbeiter trat, hielt die U-Boot-Szene den Atem an. Und dann die Überraschung. Das Rennen um den größten Rüstungsexportauftrag der Welt macht der vermeintliche Außenseiter aus Frankreich.

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Die große Staatswerft DCNS aus Cherbourg ist wieder drin, im Exportgeschäft für U-Boote. Und zwar ganz ohne Brennstoffzelle. Die Werft ist bekannt für den Bau von Atom-U-Booten und großen Jagd-Booten.

Die Entscheidung zeigt, dass es auch im U-Boot-Bau keine Selbstgänger gibt. Die politischen Rahmenbedingungen sind Gegenstand ständiger Veränderungen. Das schlägt auch auf die Militärtechnik durch. Und die Veränderungen kommen nicht nur immer schneller, sie kommen auch mit mehr Wucht. Die Brennstoffzellen-U-Boote aus Kiel sind heute Weltmarktführer. In zehn Jahren werden andere Boote das Maß aller Dinge sein. Denn auch die strategische Ausrichtung dieses Waffensystems wird sich radikal wandeln.

Die deutschen U-Boote erfüllen die von der deutschen Politik an sie gesetzten Anforderungen. Sie sind defensiv ausgerichtet, können Funksignale orten, Kampfschwimmer absetzen und Seewege überwachen. Für die Erfüllung dieser Fähigkeiten sind die U-Boote von TKMS optimiert worden. Plastisch beschrieben sind deutsche U-Boote ein feines Skalpell für chirurgische Operationen im Küstenbereich. Global betrachtet steigt aber die Nachfrage nach U-Booten, die sich eher mit einer schottischen Streit-Axt vergleichen lassen. Schnell, schwer und mit hoher Durchschlagskraft sollen sie sein. Unter Wasser sollen außerdem große Entfernungen in kurzer Zeit bewältigt werden. Das gilt für die Atom-U-Boote genauso wie für die konventionell angetriebenen Entwicklungen.

Die Hoffnungen ruhen auf Norwegen

Die deutschen U-Boote sind dafür nicht gebaut. In unserer Marine schlummert immer noch der Torpedo als Hauptwaffe. Global ist der Torpedo dagegen heute eher ein Auslaufmodell. Wenn U-Boote in Konflikten zum Einsatz kommen, dann fast immer mit Lenkflugkörpern. In Syrien, Libyen oder im Irak war das der Fall. Am Wochenende hat Nordkorea Flugkörper von U-Booten aus abgeschossen. In dieser Liga will Australien nun auch mitspielen.

Ohne ein Referenz-Boot ist es für TKMS in diesem Segment schwerer als für die Werften aus Japan und Frankreich. Da aber die deutsche Marine auf absehbare Zeit keine weiteren U-Boote bekommt, ruhen die Hoffnungen auf Norwegen. Zum Jahresende soll dort die Entscheidung über die Anschaffung einer neuen U-Boot-Generation fallen. Der Auftrag könnte deshalb wegweisend für die Ausrichtung des U-Boot-Baus in Kiel ab 2020 werden. Man muss sie nicht mögen, die U-Boote von morgen. Doch wer vor strategischen Veränderungen die Augen verschließt, gefährdet einen Technologievorsprung – und damit die Zukunft einer Branche, die in Schleswig-Holstein viele tausend Arbeitsplätze sichert.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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