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Udo Harms zum Kita-Streik

Kommentar Udo Harms zum Kita-Streik

Vier Wochen haben Kita-Erzieher und Sozialarbeiter gestreikt. Von Schlichtung wollten beide Seiten lange nichts wissen – jetzt haben sie doch noch erkannt, dass sie Hilfe von außen brauchen. Für die Gewerkschaftsseite wurde es Zeit, einen Ausweg zu finden, denn zuletzt hat sich immer deutlicher gezeigt, dass der Arbeitskampf die Kommunen nicht hart genug trifft – manche sparen sogar noch, weil sie keine Gehälter zahlen mussten.

Leidtragende waren dagegen die Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder organisieren mussten. Verdi-Chef Frank Bsirske hat erkannt, dass die öffentliche Stimmung, die im Grunde von Sympathie für die berechtigten Forderungen der Erzieher und Sozialarbeiter geprägt ist, zu kippen droht.

In der jetzt startenden Schlichtung haben die Arbeitnehmer gute Karten. Denn mit der Benennung von Hannovers Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg für die Gewerkschaftsseite ist Bsirske ein Coup gelungen: Der SPD-Mann war einst Städtetags-Präsident, er kennt beide Seiten, ist auch bei den Arbeitgebern geachtet. Die Gewerkschaften müssen sich allerdings fragen, wie effektiv ein unbefristeter Streik ist, der in erster Linie unbeteiligte Dritte trifft. Vielleicht haben sie den Widerstand der Kommunen unterschätzt – oder ihre eigene Macht überschätzt. Grundsätzlich muss auch in sensiblen Bereichen wie der Kinderbetreuung ein Tarifkonflikt ausgefochten werden können. Künftig müssen Verdi und Co. in der Wahl der Mittel jedoch klüger sein – im eigenen Interesse.

Von Udo Harms

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Foto: Der Kita-Streik ist vorerst beendet. Ab Freitag öffnen die Kitas in Hamburg wieder.

Ein Verhandlungsergebnis gibt es zwar noch nicht, trotzdem können gestresste Eltern von Kita-Kindern auch im Norden jetzt aufatmen: Am Montag öffnen die Betreuungseinrichtungen wieder. Wie lange, ist allerdings offen. „Der Streik wird nur ausgesetzt“, sagt die für Kiel/Plön zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Eva Schleifenbaum. Komme es im Schlichtungsverfahren nicht zu einer Einigung, werde weiter gestreikt.

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