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Ulf B. Christen zur Nachhilfe

Kommentar Ulf B. Christen zur Nachhilfe

Die jüngste Bertelsmann-Studie hat ein weiteres großes Defizit des deutschen Bildungssystems offengelegt. Wenn in den alten Bundesländern 13 Prozent aller Schüler meist privat finanzierte Nachhilfe erhalten, lässt sich das nicht nur mit individuellen Leistungsschwächen pubertierender Pennäler erklären. Die Schulen und hier insbesondere die Gymnasien sind schlichtweg nicht in der Lage, allen Schülern den geforderten Lernstoff verständlich zu vermitteln.

In Schleswig-Holstein ist dieser Missstand besonders groß. Die überdurchschnittlich hohe Nachhilfequote von 15,5 Prozent ist dabei teils hausgemacht. Die Gymnasien in Schleswig-Holstein gehören nach wie vor zu den leistungsstärksten in Deutschland. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Weg zum Abi für viele Schüler mit Nachhilfe gepflastert ist. In den nächsten Jahren dürfte sich das nicht ändern. Im Gegenteil: Mit der Abschaffung der Schulartempfehlung wurden die Gymnasien auch für schwächere Schüler geöffnet.

 Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Gymnasiallehrer noch an der alten Kieler Universität ausgebildet wurde. Die CAU war bekannt dafür, in erster Linie die Fachwissenschaft zu vermitteln. Im Schatten stand neben der Pädagogik insbesondere die Didaktik, also die Vermittlung des Wissens. Die Uni hat diese Schwäche erkannt und steuert um. Das ist gut für die Schüler - und schlecht für die Nachhilfeeinrichtungen.

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Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Zusatzunterricht
Foto: Büffeln bis der Kopf raucht: Viele Schüler lernen oft bis spät in die Nacht. Um die Noten zu verbessern, bekommen viele neben dem regulären Unterricht auch Nachhilfe.

In Deutschland erhalten 1,2 Millionen Schüler Nachhilfe. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung ist das jeder Siebte. Eltern lassen sich die Förderung ihrer Kinder demnach jedes Jahr rund 900 Millionen Euro kosten. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Kiel bewertet man diesen Trend kritisch.

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