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Ulrich Metschies zu neuen Regeln für Paternoster

Kommentar Ulrich Metschies zu neuen Regeln für Paternoster

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen Sohn (8) zum Paternoster-Spaß im Kieler Rathaus verführt: Auf und ab bei meditativem Geknarze. Mit 25 Zentimetern pro Sekunde die Etagen vorbeiziehen sehen, dazwischen hautnah nackte Wand und am Wendepunkt immer wieder der beruhigende Hinweis: „Weiterfahrt ungefährlich.“ Wir haben einen verbotenen Spaß genossen, denn Nicht-Mitarbeitern der Landeshauptstadt ist die Nutzung des „Personen-Umlaufaufzuges“ im Rathaus nicht gestattet.

Was die Stadt Kiel heute schon tut, „um Gefährdungen ungeübter Personen auszuschließen“, will das Bundesarbeitsministerium künftig zum Standard für alle Paternoster im öffentlichen Raum erheben: Nur Mitarbeiter des jeweiligen Aufzug-Betreibers, die dazu noch eine fundierte Einweisung erhalten haben, dürfen den Schritt in die Fahrkabine wagen. Damit wäre zum Beispiel den zahlreichen Besuchern des schleswig-holsteinischen Landtages die beliebte Paternoster-Fahrt verwehrt.

Eingeklemmte Beine, eingeklemmte Köpfe, Stürze in die Tiefe – jeder Unfall, der bislang mit einem Paternoster geschah, ist ein Unglück zu viel. Doch Behörden- oder Landtagsbesuchern die Fahrt generell zu untersagen, ist überzogenes Sicherheitsstreben. Ob es hilft, ist die nächste Frage, denn auch Treppensteigen ist ein Risiko.

Die Brüsseler Angriffe auf seine Paternoster konnte Kiel noch abwehren. Sollte es nun doch zum traurigen Ende kommen, bliebe immer noch die beschauliche Reise des Abgeordneten Uli König (Piraten) mit dem Landeshaus-Paternoster – auf Youtube, sechs Minuten und 20 Sekunden.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kiel
Foto: Der Paternoster im Landeshaus.

Nach tagelangem bürokratischen Tauziehen dreht sich der Paternoster-Fahrstuhl im schleswig-holsteinischen Landtag seit Donnerstag wieder. Erster Nutzer war Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU).

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