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Ulrich Metschies zum Dauerstreik der Lokführer

Kommentar Ulrich Metschies zum Dauerstreik der Lokführer

Heute ist wirklich Dienstag, der 5. Mai 2015. Heute ist wirklich ein ganz normaler Werktag, an dem Millionen Pendler mit dem Zug zur Arbeit müssten und Zigtausende von Betrieben auf Lieferungen warten. Doch die Pendler fahren mit dem Auto, und die Lieferungen kommen nicht pünktlich. Irgendwoher kennt man das.

Nein, liebe Leser, wir stecken nicht in einer Zeitschleife fest.Wir erleben ganz real den Auftakt zu Lokführerstreik Nummer acht in einem Tarifkonflikt, der die Republik seit zehn Monaten drangsaliert und in dessen Verlauf sich das Verständnis der Öffentlichkeit für die Belange der Lokführer der Nulllinie nähert. Zu Recht.

Kein Arbeitskampf ist angenehm für die Allgemeinheit. Und die Kollateralschäden, auch wenn sie sehr schmerzhaft sind, können kein Argument gegen die Ausübung eines Grundrechtes sein. Doch Artikel 9 des Grundgesetzes ist kein Freibrief für einen Arbeitskampf, der weniger die „Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen“ der Beschäftigten zum Ziel hat, sondern den Machterhalt einer Gewerkschaft. Denn gelingt es der GDL nicht, ihren Vertretungsanspruch auszuweiten, bevor das Tarifeinheitsgesetz beschlossen ist, dann rollt die Sparten-Gewerkschaft aufs Abstellgleis.

Wenn kein Wunder geschieht, wird sich der ritualisierte Wahnsinn bis in den Sommer hinziehen. Vielleicht erleben wir ja nach einer knappen Woche Streik bald einen Monatsausstand. Dass die Bahn auf Zeit spielt, ist kein netter Zug, aber verständlich. Anders als die GDL ist der Konzern für eine Schlichtung offen und damit an dem Desaster weniger schuld als die GDL.

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