18 ° / 16 ° Sprühregen

Navigation:
Ulrich Metschies zur Bildung der Flüchtlinge

Kommentar Ulrich Metschies zur Bildung der Flüchtlinge

„Türkei hindert syrische Akademiker an der Ausreise“: Diese Nachricht hat am Wochenende EU-weit Empörung ausgelöst. Weniger allerdings, weil Recep Tayyip Erdogan wieder einmal Menschenrechte zur Manövriermasse seiner Machtpolitik degradiert, sondern vor allem, weil der türkische Präsident erneut Kapital aus der Flüchtlingskrise zu schlagen versucht – Humankapital, um genau zu sein.

„Seht her“, so kommt die Botschaft bei uns an, „ich behalte die Guten, die Ehrgeizigen, die Leistungsträger. Nehmt Ihr nur die Schwachen, die Kranken, die Unqualifizierten.“

 So verständlich Unmut über diese Form von Auswanderungs-Selektion ist, so sehr führt er doch auf ein falsches, ein gefährliches Gleis. Wer die Aufnahme von Leidenden und Verfolgten nur unterstützt, wenn sie als Beitrag zur Lösung unseres Fachkräftemangels geeignet erscheinen, der instrumentalisiert ein Menschenrecht.

 Schleswig-Holstein verliert bis 2030 fast 200000 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Da wäre es natürlich toll, wenn alle 35000 Flüchtlinge, die allein im vergangenen Jahr ins Land gekommen sind, zackzack dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Dass sie es nicht tun, liegt an vielen Faktoren. Die Tatsache, dass rund 70 Prozent der Zuwanderer keinen Berufsabschluss nach unserem Standard haben, ist nicht das entscheidende Problem. Viel gravierender sind Sprachbarrieren und die Unsicherheit über den Aufenthaltsstatus. Hier anzusetzen hilft eher, als sich Akademiker aus Aleppo her zuwünschen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Anzeige
Mehr aus KN-Kommentare 2/3