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Ulrich Metschies zur „ökoeffizienten Weidemilchhaltung“

Kommentar Ulrich Metschies zur „ökoeffizienten Weidemilchhaltung“

Seit Jahren versucht Agrarminister Robert Habeck Schleswig-Holsteins Landwirte davon zu überzeugen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann mit der konventionellen Landwirtschaft. Dass sich Bauern Nischen erschließen und dabei Tierwohl, Regionalität und Umweltschutz im Blick haben müssen, wenn sie nicht am Tropf von Handel und Industrie verhungern wollen. Doch der Weg in eine nachhaltige Landwirtschaft ist steinig.

Neue Ansätze wie das Forschungsprojekt „Ökoeffiziente Weidemilchhaltung“ der Uni Kiel oder der Vorstoß der Landwirtschaftskammer zur Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes in der Schweinemast sind zu begrüßen. Nur: Das kranke System der großindustriellen Massenproduktion von Nahrungsmitteln wird dadurch nicht gesünder. Das Gros der Landwirte ist über beide Ohren verschuldet. Selbst dort, wo der Wille zur Ökologisierung vorhanden ist, haben es Tierwohl und Grundwasserschutz schwer. Wer keine Reserven hat, kann betriebswirtschaftliche Zwänge nicht über Bord werfen, sondern versucht auf Teufel komm raus, die niedrigen Preise für Milch oder Schweinefleisch durch noch mehr Menge, noch straffere Produktion und noch strikteres Kostenmanagement zu kompensieren.

Diese Schussfahrt in die Sackgasse ist nur dann zu stoppen, wenn die Agrarpolitik umstellungswilligen Bauern finanziell kräftiger unter die Arme greift. Das wiederum hilft nur, wenn mehr Verbraucher als derzeit einsehen: Qualität und Tierwohl sind zu Ramschpreisen im Supermarkt nicht zu haben.

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Ulrich Metschies
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