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Eckernförde Wie Osdorf dem Hausarztmangel vorbeugt
Lokales Eckernförde Wie Osdorf dem Hausarztmangel vorbeugt
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08:00 09.03.2019
Von Cornelia Müller
Praxis Osdorf: Die Ärztinnen Dr. Gesa Bäumken (links) und Dr. Petra Raspini zogen das große Los, als das Haus der Sparkasse frei wurde. Osdorf kaufte es, um dort auf Dauer eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis zu halten. Quelle: Cornelia D. Mueller
Osdorf

An der Hauptstraße der 2400-Einwohner-Gemeinde ist ist auf 100 Metern alles versammelt: Schlachter, kleiner Supermarkt, Bäckerei, Handwerk, zwei Gasthöfe, Zahnarzt und die moderne, großzügige Praxis Osdorf von Dr. Gesa Bäumken und Dr. Petra Raspini.

Schule, Kindergärten, Kirche sind in der Nähe. Bäumken, die auch Palliativmedizinerin ist, praktizierte vor dem Umzug ins gemeindeeigene Ärztehaus seit 13 Jahren in Osdorf mit einem Kollegen in einer älteren Praxis.

Die alten Praxisräume in Osdorf hatten keine Zukunft

Als er starb, zog 2010 die Diabetologin Raspini mit ein. Ihr Vorgänger hatte mit seiner Ehefrau, die Diabetesberaterin ist, auch Diabetes-Patienten aus dem Wohld behandelt.

„Die alten Räume hielten längst nicht mehr den Ansprüchen stand“, sagt Bäumken. „Und für die Schulung von zunehmend mehr und jüngeren Diabetikern brauchten wir zusätzlichen Platz“, ergänzt Raspini.

Zunächst eröffnete sich die Chance, in den Neubau der Pflegeeinrichtung Haus Dänischer Wohld am Dorfrand einzuziehen. Bei genauerer Prüfung gaben das aber die Nutzungskriterien nicht her. „Wir hätten uns dann in einem anderen Ort niederlassen müssen“, sagen beide.

Das Aus der Sparkasse war ein Glück für die Ärztinnen

Wir mussten auch berücksichtigen, dass wir die Praxis spätestens in 15 Jahren abgeben. Man findet auf dem Land nur Nachfolger, wenn die Praxis in jeder Hinsicht Zukunft hat.“

Dass schließlich die Gemeinde auf eigene Rechnung den Ärztinnen Praxisräume nach Maß schneiderte, ist einem zunächst unglücklichen Umstand geschuldet. Ende 2016 zog sich – gegen den Widerstand von Bürgern und Politik – die Förde Sparkasse zurück.

Da entstand die Idee: Die Gemeinde kauft das Sparkassenhaus in der Hauptstraße und baut es für die Gemeinschaftspraxis so um, dass auch ein Nachfolger eine Perspektive hat. „Nach Gesprächen mit dem damaligen Bürgermeister Joachim Iwers waren wir Feuer und Flamme“, sagen die Ärztinnen. 

Die Gemeinde Osdorf investierte 800.000 Euro in die Praxis

Dafür griff die Gemeinde zwar tiefer in die Tasche, als zunächst gedacht. Denn auf dem Grundstück wurde zusätzlich ein Schulungsraum gebaut. Ob Diabetes oder Fortbildung – niemand muss zum Seminar mehr durch die Praxis.

„Wir haben 800.000 Euro aufgewendet“, sagt Helge Kohrt (SPD), der seit 2018 Bürgermeister ist. „Ich gehe davon aus, dass sich die Investition durch die Mieteinnahmen der Praxis und der zwei Wohnungen im Obergeschoss amortisiert. Und wir haben mit der Praxis einen wichtigen Standortfaktor gesichert.“

Die Medizinerinnen und ihr Team sind „überglücklich mit einer hochmodernen Gemeinschaftspraxis". Das Schönste sei, „dass wir in einem Dorf bleiben konnten, wo man sich kennt“. Gewachsene Vertrauensverhältnisse seien in der Großstadt nicht durchgängig möglich. 

Einzelpraxen auf dem Lande können kaum bestehen

Raten die Ärztinnen jüngeren Kollegen, sich auf dem Land niederzulassen? „Bedingt. Allein überlastet man sich, weil der bürokratische Aufwand riesig und die Abrechnung mit den Krankenkassen unbefriedigend ist. Keiner will deshalb mehr zwölf Stunden täglich arbeiten.

Hinzu kommt, dass das Gros der Nachwuchskräfte Frauen sind, die auch Kinder wollen. In unserer Gemeinschaftspraxis wechseln wir uns nachmittags ab. So kommt die Familie nicht zu kurz.“ Sie folgern: Um die hausärztliche Versorgung in der Fläche dauerhaft zu sichern, sind Modelle mit angestellten Ärzten erforderlich.

In Büsum an der Nordsee ist das schon Realität. Nachdem fast alle Einzelpraxen vor dem Aus standen, gibt es jetzt eine Gemeinde-Praxis in öffentlicher Hand: Die Ärzte sind angestellt, arbeiten in Voll- oder Teilzeit und bekommen ihr Gehalt von der Kommune.

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