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Eckernförde Müllvermeidung scheitert an Bürokratie
Lokales Eckernförde Müllvermeidung scheitert an Bürokratie
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12:01 28.02.2018
Von Cornelia Müller
Anke und Holger Thietje haben ihre Milchtankstelle geschlossen, alle Milch landet wieder in der Meierei. Die Bürokratie hat ihnen „zu viel zugemutet“. Quelle: Cornelia D. Mueller
Kosel

Die Kuhskulptur lässt Autofahrer lächeln, wenn sie den Hof von Anke und Holger Thietje an der B76 passieren. Bis vor kurzem präsentierte die Schwarzbunte das Schild „Milchtankstelle“. Rohmilch frisch aus dem Stall floss fünfeinhalb Jahre in mitgebrachte Milchkannen und Flaschen der Kunden.

Wer die hygienische Zapfstelle für sahnige Milch spontan entdeckte, zog seine Mehrwegflasche aus dem Automaten neben der Zapfanlage, steckte 20 Cent pro 200 Milliliter Milch in den Münzschlitz und füllte das Gefäß auf. Besser geht’s ja nicht.

Bürokratie - Das Ende der Milchtankstelle

„Dachte ich auch“, sagt Anke Thietje. „Aber die letzte Hygieneschulung war der bürokratische Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.“ Sie und Ehemann Holger wägten Sinn und Aufwand der kleinen bäuerlichen Direktvermarktung ab und beschlossen: Schluss, Aus, Ende. Seitdem steht das Telefon nicht mehr still.

Thietjes: „Wir haben durchschnittlich nur 30 Liter Milch pro Tag auf die Art verkauft. Aber wer kam, hat die Tankstelle geschätzt.“ Nebenbei vermieden Kunden über 800 Einwegverpackungen oder industriell zu reinigende Pfandflaschen im Monat. In fünfeinhalb Betriebsjahren hat sich das auf knapp 53000 Tetrapacks und Flaschen summiert.

In Kosel stand die erste Milchtankstelle von Schleswig-Holstein

2012 eröffnete in Kosel Schleswig-Holsteins erste Milchtankstelle. Anke Thietje besuchte Fortbildung, erfüllte Gesundheitsauflagen, dokumentierte Reinigungszeiten und -mittel, führte Kassenbuch. Jetzt aber genügt es nicht mehr, dass die Milch der 160 Kühe, deren Großteil immer morgens von der Meierei abgeholt wurde, streng kontrolliert ist.

Die Bäuerin: „Es könnte laut Behörde sein, dass der Rohmilch im Stahlbehälter auf dem kurzen Weg vom Milchtank zur Zapfanlage etwas passiert. Das wüsste ich, dann würde ich sie nicht einfüllen. Ob ein mitgebrachtes Gefäß sauber ist und Kunden die Rohmilch in die Kühlung geben und abzukochen, weiß ich natürlich nicht."

Dennoch sollen Thietjes dafür haften. Und sie müssen nun monatlich noch eine gezapfte Milchprobe im Landeslabor testen lassen. Anke Thietje: "Die Tankstelle war ein kleiner Beitrag, Verpackung zu vermeiden und erlebbar zu mache, wo die Lebensmittel herkommen. Dem Gesetzgeber scheint das wenig wert. Ich bin enttäuscht.“

Weitere Artikel zu der Serie "Fasten für die Umwelt" lesen Sie hier:

Teil eins: Sieben Wochen möglichst ohne Plastik

Teil zwei: Mehrweg-Plastikdose statt Einweg-Gefäß?

Teil drei: Der Plastikmüllberg schrumpft schnell

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