Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Eckernförde Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Lokales Eckernförde Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 13.07.2018
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Ein glücklicher Tag: Ismail (17, 2.v.li.), der verlorene Sohn der Familie, ist endlich in Altenholz angekommen. Mit den Brüdern Mahdi (v.li., 19) und Milad (9) sowie der Mutter Pari Norozi (51) freuen sich auch die ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen Yvonne Willert-Sprenger, Karen Meier und Heidi Konerz. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Anzeige
Altenholz

Zwei werden allerdings für immer in der afghanischen Familie fehlen: Vater und Tochter. Weil die Eltern ihre Tochter nicht zwangsverheiraten wollten, hätten Taliban die beiden vor den Augen der Mutter in Afghanistan ermordet, erzählt Yvonne Willert-Sprenger. Mit Heidi Konertz und Karen Meier unterrichtet sie Flüchtlingen ehrenamtlich in Deutsch. So erfuhren die Frauen vom Schicksal der Familie.

Fröhliches Begrüßungsfest

Am späten Donnerstagnachmittag kann endlich das fröhliche Begrüßungsfest gefeiert werden, mit etwa 30 Gästen. Mittendrin: Ismail, heute 17, der immer wieder übers ganze Gesicht strahlt. Auch seine Mutter Pari Norozi fasst sich häufig lächelnd und ungläubig an den Kopf: Der verlorene Sohn ist endlich da!

Wiedersehen auf dem Flughafen

Am Mittag hatten die Mutter, ihre Söhne Mahdi (19) und Milad (9) sowie Begleiter aus Altenholz Ismail auf dem Flughafen in Hamburg abgeholt. Yvonne Willert-Sprenger zeigt ein Video vom Wiedersehen, gefilmt aus respektvoller Entfernung. Dieser Moment – er gehört Mutter, Sohn und den Brüdern. „Ich bin sehr glücklich“, sagt die Mutter in Altenholz.

Taliban töteten Mann und Tochter

„Sie war immer traurig, traurig, traurig“, erinnert sich Heidi Konertz an die erste Zeit der Mutter im Deutschkursus. Irgendwann erfuhren die Helfer, was der Afghanin widerfahren war. Aus Sorge, ebenfalls von den Taliban getötet zu werden, war sie mit ihren drei Söhnen zunächst in den Iran geflüchtet, dann über die Türkei nach Griechenland. In Deutschland erhielt sie kein Asyl, aber subsidiären Schutz.

Fast zwei Jahre Ungewissheit

Nach fast zwei Jahren meldete sich plötzlich der verlorene Sohn: Mit einem fremden Handy rief er bei einem Onkel in Afghanistan an, erzählte, er sei in der Türkei. Wenige Tage später schickte er Fotos, die ihn auf einem Schlauchboot zeigen, auf dem Mittelmeer. Eine Familie, die er kennengelernt hatte, hatte ihn auf die gefährliche Flucht nach Griechenland mitgenommen.

Zermürbendes Warten auf die Familienzusammenführung

Danach erschien die Familienzusammenführung mit dem Sohn nur eine Frage der Zeit. Doch obwohl der Antrag schon im August 2017 genehmigt wurde, entwickelte sich das Warten auf die Reise zum zermürbenden Geduldsspiel. Es dauerte, aus unbekannten Gründen.

Fremde Familie kümmerte sich um ihn

Noch ist unklar, was der 17-Jährige in den vergangenen drei Jahren erlebt hat. Er spricht kein Deutsch, ein Dolmetscher übersetzt. Damals, bei der Flucht mit seiner Familie aus der Türkei, sei der 14-Jährige mit anderen von den Booten zurückgedrängt worden. Die fremde Familie habe sich dann um ihn gekümmert, sagt der schmale 17-Jährige. Mittlerweile soll jene Familie aber nach Afghanistan zurückgekehrt sein: Sie hatte die Hoffnung verloren.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In freudige Gesichter blickt man am Wochenende 13./14./15. Juli in Eckernförde beim 15. Kunst- und Handwerkermarkt „Handgemacht“. Auf der Hafenpromenade bieten mehr als 80 Künstler und Handwerker an, was es sonst nirgendwo zu kaufen gibt

13.07.2018

Noch lebt Jan Hopmann mit Eltern und seiner kleinen Schwester in einem Einfamilienhaus in Altenholz. In weniger als einem Monat heißt das neue Zuhause des 18-Jährigen aber Alcalá: In dem kleinen Dorf im südlichen Bolivien wird der Abiturient ein Jahr lang seinen Freiwilligendienst leisten.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 13.07.2018

Für Bauern, die nicht im großen Stil wirtschaften, ist Milchviehhaltung hartes Brot. Maya und Jens Seyer aus Borghorsterhütten zogen die Konsequenz und stellten um. Sie bauten am Rande von Osdorf einen Rinderhof wie aus dem Bilderbuch auf. Das Paar setzt ganz auf Direktvermarktung.

Cornelia Müller 12.07.2018
Anzeige