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Eckernförde Zähes Ringen um Roma vom Balkan
Lokales Eckernförde Zähes Ringen um Roma vom Balkan
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09:47 26.06.2018
Von Tilmann Post
Die vier Flüchtlinge vom Balkan müssen in Deutschland bleiben, meinen Heidi Konertz (links) und Yvonne Willert-Sprenger. Die Betroffenen gehören der Bevölkerungsgruppe der Roma an und wollen aus Sorge vor Nachteilen bei den Behörden nicht erkannt werden. Quelle: Tilmann Post
Altenholz

Das ist eigentlich kein Problem, denn die Balkan-Staaten gelten als sichere Herkunftsländer. Willert-Sprenger ist dennoch zornig, denn die Ausländerbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde wolle nicht beachten, dass die Paare der Bevölkerungsgruppe der Roma angehörten und deshalb ihr zufolge keine Chance in ihren Heimatländern haben. Für die beiden Männer bedeute eine Rückkehr möglicherweise sogar Lebensgefahr, beide seien krank.

Die Duldung wurde mehrfach verlängert

„Die Fälle zeigen, dass es nicht richtig ist, Asyl nur nach politischen Kriterien zu gewähren“, sagt Yvonne Willert-Sprenger. Gemeinsam mit Heidi Konertz unterrichtet sie Flüchtlinge im Altenholzer Gemeindezentrum ehrenamtlich in der deutschen Sprache. Eines der Paare kam 2015 nach Deutschland. Der Asylantrag wurde kurze Zeit später abgelehnt, eine Duldung aber mehrfach verlängert. Seitdem versucht Yvonne Willert-Sprenger alles, damit beide bleiben dürfen.

Atteste bescheinigen Reiseunfähigkeit

Denn der 40-jährige Familienvater leide seit 2002 an einer posttraumatischen Belastungsstörung, hervorgerufen durch eine Hirnverletzung nach einem Angriff mit einer Eisenstange. „Bei ihm besteht die Gefahr, dass er sich selbst verletzt oder sich das Leben nimmt“, so Willert-Sprenger. Sie habe erreicht, dass der Mann vor zwei Jahren eine therapeutische Behandlung in Kiel aufnahm. Bescheinigungen darüber habe seine Ärztin ausgestellt. Daraus gehe auch hervor, dass er reiseunfähig sei.

„Die Therapie darf laut Attest nicht unterbrochen werden, das hätte schlimme Folgen für ihn“, sagt die Altenholzerin. Wie Menschen der Roma-Minderheit in seiner Heimat behandelt werden, zeigt der 40-Jährige per Handy-Video: Sie müssten in Ghettos leben, ohne Heizung und fließendes Wasser, erhielten keine medizinische Versorgung.

Lehrvertrag lässt Behörde unbeeindruckt

„Wenn wir von hier weggeschickt werden, können wir nicht dorthin zurück“, sagt er. Mit seiner Frau müsste er sich einen Unterschlupf in einem Nachbarland suchen – dort wären sie jedoch ebenfalls illegal. Die Atteste ließen den Fachdienst Zuwanderung des Kreises Rendsburg-Eckernförde unbeeindruckt. Ebenso, dass die Ehefrau im August eine Lehre in einer Großküche beginnen könnte. Den Ausbildungsvertrag hat die 35-Jährige in der Tasche. Dennoch forderte die Behörde das Paar auf, sich diese Woche in der Landesunterkunft für Ausreisepflichtige in Boostedt einzufinden.

„Ich finde es schäbig, dass das Verfahren hinter dem Rücken der Betroffenen geführt wird. Man hat das Gefühl, kein Gehör zu finden“, so Willert-Sprenger. So sei es auch mit dem zweiten Paar. Der Mann (51) habe eine neurologischen Erkrankung, die in seiner Heimat kaum behandelt werden könne. Gleichzeitig sorge die Ehefrau (44) als Reinigungskraft für ein Einkommen. Ihr sei sogar eine Vollzeitstelle angeboten worden.

Beratung zur freiwilligen Rückkehr

Aus dem Fachdienst Zuwanderung hieß es auf Nachfrage, die Landesunterkunft werde mit dem Ziel geführt, abgelehnte Asylbewerber aufzunehmen, die ihrer Ausreisepflicht nicht nachkommen. Dort werden sie auch zur freiwilligen Rückkehr beraten. Die Landesunterkunft diene auch dazu, „die Erreichbarkeit für Behörden und Gerichte sowie die Durchführung der Ausreise zu sichern“, teilte Judith Matthiesen vom Kreis mit.

Es gehe um Kooperation, nicht um Zwang. Ärztliche Betreuung sei möglich. Reiseunfähigkeit sei kein Grund, den Wohnsitz nicht nach Boostedt zu verlegen, „da es zunächst um die dortige Unterbringung geht und nicht um die sofortige Ausreise“, erklärte Matthiesen. „Jeder weiß, dass niemand aus Boostedt zurückkehrt“, sagt Willert-Sprenger düster. Sicherer Drittstaat hin oder her, es gebe Menschen, die nicht dort leben können. Sie will weiter kämpfen und hat über Anwälte die Härtefallkommission eingeschaltet. Eine Entscheidung stehe aus.

Flüchtlinge mit abgelehnten Asylanträgen im Kreis Rendsburg-Eckernförde 2018

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