Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Eckernförde Der Charme der Nostalgie
Lokales Eckernförde Der Charme der Nostalgie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:18 27.11.2018
Von Christoph Rohde
Nur dreimal im Jahr baut Frank Parge sein Nostalgie-Karussell noch auf. Das heißt vor allem: viel Arbeit. Doch wenn alles steht, ist auch er begeistert. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

„Sonst wäre der Aufwand zu groß“, sagt Frank Parge, der das Karussell von seinem Schwiegervater Hans-Ulrich Meyer übernommen hat. Zwölf Stunden dauert das Puzzlespiel, mit vier Mann aus mehreren hundert Einzelteilen eine sich drehende Szenerie für Pferdchen und Wagen entstehen zu lassen. In der Zeit haben andere ein 50 Meter hohes Riesenrad aufgebaut. Doch ein modernes Fahrgeschäft lässt sich mit diesem Nostalgie-Gefährt nicht vergleichen.

„Ach kiek mol, hebbt wi ok schon drin föhrt.“

Liebevoll handgemalte Bild-Dekorationen mit Landschaften, Wappen und Blumen ziehen an dem Betrachter vorüber, ebenso wie zwanzig hölzerne Pferdchen, ein Feuerwehrauto und zwei sogenannte Kaffeemühlen, runde Sitzbänke, die die Kinder drehen können. Manch heutiges Großeltern- oder Elternteil steht versonnen davor und erinnert sich an Zeiten, als es selbst als Kind die Zügel hielt oder die Feuerwehrglocke läutete. „Ach kiek mol, hebbt wi ok schon drin föhrt.“

Gebaut wurde es 1923 auf einer Kieler Bootswerft

Seit fünf Jahrzehnten dreht sich das Karussell in Eckernförde. Sein Schwiegervater, erzählt Parge, habe den Weihnachtsmarkt damals mitbegründet. Die Anfänge liegen aber noch weiter zurück. 1923 ließ sich der Süderbraruper August Wiese das Karussell von einer Kieler Bootswerft bauen. 1953 kaufte es der Vater von Hans-Ulrich Meyer für wenig Geld und übergab es 1960 an seinen Sohn. 50 Jahre reiste dieser damit umher, bis er das Fahrgeschäft an seinen Schwiegersohn übertrug. „Ich musste ihm versprechen, sein Schmuckstück nicht zu verkaufen“, sagt Parge.

Ein Salzwasseranlasser brachte den Motor auf Touren

Meyers Kinderkarussell ist eine Rarität im Norden, die sich weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten hat. Der ehemaliger Bootsmast in der Mitte wurde inzwischen zwar durch Stahl ersetzt. Auch ein leichterer Motor und zwei neue Autos kamen hinzu. Das Meiste aber ist noch so wie anno dazumal. Bis in die 1990er-Jahre gab es sogar einen „Salzwasseranlasser“. Je tiefer zwei Eisen in ein stromleitendes Fass mit Salzwasser gehängt wurden, um so schneller drehte sich das Karussell. So war auf einfache Art ein sanftes Anlaufen gewährleistet. Noch früher brachten vier Pferde das Karussell in Schwung, der innere Ring der Plattform ist deshalb frei.

Nur noch dreimal im Jahr wird das Karussell aufgebaut

Nur zur Balloon Sail der Kieler Woche, zum Brarup-Markt in Süderbrarup und zum Eckernförder Weihnachtsmarkt baut Parge sein Nostalgie-Karussell heute noch auf. „Das ist schon ein Liebhaberstück“, gesteht der Schausteller. Denn das Geld verdient Parge neben seinem Zuckerwagen vor allem mit dem „Baby-Flug“, ein modernes Karussell, in dem die Kinder ihre Gondeln hydraulisch selbst hoch- und runtersteuern können. Doch mit dem Charme des Oldtimers, der nicht mit aufgeregt flackernden LEDs, sondern milde schimmernden Glühbirnen glänzt, kann keines der modernen Fahrgeschäfte konkurrieren.

Immer informiert: Lesen Sie alle Nachrichten aus der Region Eckernförde

Kinderkarussell von 1923 auf dem Eckernförder Weihnachtsmarkt
Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Landesliga Schleswig musste der Osterrönfelder TSV gegen den Gettorfer SC eine 0:1-Niederlage hinnehmen. „Für uns ein bitteres Ergebnis, denn wir haben ein gutes Spiel gezeigt“, ärgerte sich Co-Trainer Tim Fuhrmann für den OTSV, der sich den Gegentreffer unmittelbar vor der Pause einfing.

26.11.2018

Die Vorschläge der Bürger für das Ortszentrum sind gefragt: Die Gemeinde lädt ein zu einer Info-Veranstaltung zur „Städtebauförderung im Ortskern Stift“. Diese beginnt am Mittwoch, 28. November, um 18 Uhr in der Aula des Gymnasiums Altenholz. Schwerpunkt wird das Thema „Verkehr" sein.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 26.11.2018

Bis 2030 fehlen in der Nordkirche 600 Pfarrer, weil 900 Pastoren in den Ruhestand gehen, aber nur 300 neue in dieser Zeit zur Verfügung stehen. Der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde will aus den 37 Kirchengemeinden acht Regionen bilden, um flexibler mit Pfarrstellen umgehen zu können.

Sven Janssen 26.11.2018