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Eckernförde Mohn, Kamille, Kornblume ärgern Bauern
Lokales Eckernförde Mohn, Kamille, Kornblume ärgern Bauern
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07:02 07.06.2018
Von Cornelia Müller
Frühsommer auf dem Lande: Klatschmohn und Kamille sprießen um so üppiger bei Trockenheit. Hier, am Verkehrskreisel von Osdorf, dürfen sie ungehindert blühen. Im Getreide mögen Landwirte sie dagegen gar nicht. Quelle: Cornelia D. Mueller
Noer

In den Knicks zwischen den Feldern bei Osdorf, Noer, Schwedeneck summt und brummt es gerade gewaltig. Insekten sammeln eifrig Nektar in offenen rosa Hundsrosen. Der Holunder zieht  Käfer an, die Vögel für ihre gut im Geäst versteckte Brut gleich aufpicken.

In den Getreidefeldern streckt der Klatschmohn die ersten zarten Blüten knallrot ins Licht. Daneben gedeiht die Ackerkamille und verströmt den typischen Duft.

Klatschmohn und andere Wildkräuter wachsen auch bei Trockenheit

Diese Ackerwildkräuter stört es nicht, dass der Boden "hart wie Beton ist", wie Sabine Mues sagt. Die Chefin des Lindhofs, des ökologischen Versuchsguts der Universität Kiel im Noerer Ortsteil Lindhöft, macht sich wie andere Landwirte allmählich Sorgen, weil es seit Wochen nicht richtig regnet.

"Die Nutzpflanzen brauchen jetzt dringend Wasser", bestätigt sie. "Auch auf unseren Weiden stockt das Wachstum. Unsere Jersey-Rinder finden momentan nur für kurze Zeit genügend Nahrung auf ein- und derselben Fläche."

Der zweite Grasschnitt fällt wegen geringen Wachstums aus

So lässt sie das Vieh jetzt in kurzem Abschnitt die Weiden wechseln, weil Gräser bei Trockenheit viel zu langsam nachwachsen. Nach dem ersten Wiesenschnitt im Mai müsste jetzt der zweite folgen, um Silo oder Heu zu machen, von dem die Tiere im Winter zehren. "Doch der fällt gerade aus, weil wenig nachwächst."

Um so schöner leuchten die bunten Ackerwildkräuter im Getreide. "Und die sind vor allem im ökologischen Landbau ein Problem", betont Mues. "Sie haben dichtes Wurzelwerk und rauben dem Getreide Wasser und Nährstoffe. Da wir nicht spritzen, müssen wir sie von  Hand entfernen."

Die Saat der bunten Ackerkräuter darf sich gar nicht erst verbreiten

Das heißt: Jede Pflanze muss mit der Wurzel ausgerissen werden, bevor die Saat reifen kann und auf den Boden fällt. "Sonst haben wir im Folgejahr noch mehr Mohn, Kamille sowie Kornblumen und damit ein Riesenproblem für den Ertrag", sagt die Lindhof-Chefin.

Gleichwohl mag auch sie die Blütenpracht. "Landwirten schlagen da zwei Herzen in der Brust. Ich freue mich dann an den Blumen am Feldrand. Und vor allem an den Knicks, in denen es vor Leben jetzt nur so brummt." Und die sind dank der Gehölzvielfalt gegen jede Wetterlage im Norden gewappnet und willkürlichen Eingriffen streng geschützt.

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