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Eckernförde Wenn Sattelschweine Schwein haben
Lokales Eckernförde Wenn Sattelschweine Schwein haben
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07:39 07.07.2018
Von Cornelia Müller
Sattelschwein-Eber Rebus (rechts) findet Sau Martha attraktiv - auf Abstand. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Noer

Rebus hat Schwein. Bevor der Schlachter den Eber mit der vorbildlichen Zeichnung des weißen Sattels auf dem schwarzen Körper abholt, darf er sich nach Herzenslust mit einer Dame vergnügen.

„Und zwar mit Zuchtsau Martha. Die dürfte heiß auf ihn sein“, sagt Sabine Mues und grinst. Die Betriebsleiterin des Lindhofs in Noer, wo die Universität Kiel in Sachen ökologischer Landwirtschaft forscht, hat den Paarungstag für die vierjährige Sau mit Bedacht gewählt.

Der einjährige Eber darf sich ein letztes Mal paaren

Die sechs putzigen schwarz-weißen Ferkel springen schon munter allein in einer großen Außenbox herum. „Und Martha ist zwei Tage rauschig, also paarungsbereit“, erläutert sie.

Rebus ist ein Jahr alt. Schon als Ferkel sah er aus wie aus dem Zuchtkatalog: Der helle Streifen, der sich um den Oberkörper auf Schulterhöhe handbreit herum zieht, schießt die Vorderläufe ein. Ansonsten ist der langgestreckte Oberkörper ebenmäßig schwarz.

Züchter legen Wert auf die großen Ohren des Sattelschweins

Die großen Ohren knicken an der richtigen Stelle im Winkel ab und verhüllen das Profil zur Hälfte. Das lässt Kenner jubeln. Und man könnte fast meinen, Rebus’ Vorfahren hätten im 19. Jahrhundert Modell gestanden für Dampflokomotiven mit großen Windleitblechen, die an Scheuklappen erinnern.

Der Trecker bringt Rebus aus seinem Gehege am Stall zu Marthas kleiner Blechhütte auf der grünen Weide. Kaum hat Schulpraktikant Jannes den Elektrozaun hinter dem Eber geschlossen, hat er schon Schaum vorm Mund. Er findet Martha also attraktiv.

Zuchtsau Martha ist willig, der Eber zögert

Und dann? Nichts. Martha umkreist ihn, scheint entzückt, stupst den unverhofften Liebhaber an, springt ihm ungeduldig auf den Rücken. Doch Rebus weicht vorsichtig aus. Er mustert die Sau lieber erstmal mit Abstand. Sabine Mues muss lachen.

„Zwei Tage gebe ich ihm. Er scheint ein Romantiker zu sein, kommt nicht gleich zur Sache“, kommentiert sie trocken. Stundenlang bietet sich dem Lindhof-Team dasselbe Bild, bis sich Martha grunzend in die Hütte trabt.

Der Lindhof der Uni Kiel gibt auch Zuchtschweine ab

Und weil es niemand beobachtet hat, bleibt es vorerst ihr Geheimnis, was in der Nacht unter fast vollem Mond passiert ist. Mues wird es erfahren, wenn Rebus’ Fleisch in der von Feinschmeckern geschätzten Wurst landet, die Kunden im Bio-Hofladen kaufen. Frühestens nach 28 Tagen meldet der Tierarzt, ob die Sau  trägt.

„Wir halten die kleine Herde von drei Jung- und drei Altsauen sowie zwei Zuchtebern nicht für die Forschung“, betont die Chefin. „Wir helfen, typische regionale Rassen zu erhalten. Einige Tiere geben wir an andere Züchter ab. Und wir vermarkten Fleisch selbst. Der Lindhof muss sich tragen.“

Hier sehen Sie mehr Bilder von der Sattelschweinzucht auf dem Lindhof der Uni Kiel.
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