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Eckernförde Mit 54 noch mal in die Lehre gegangen
Lokales Eckernförde Mit 54 noch mal in die Lehre gegangen
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18:54 31.07.2018
Uwe Wessel (54) ist Auszubildender im "Haus Dänischer Wohld" in Osdorf und kümmert sich gern um Bewohner wie Christel Nielsen. Quelle: Jan Torben Budde
Osdorf

Der Kieler wäscht Bewohner, reicht ihnen Essen, verteilt Medikamente und Insulin. Seine Entscheidung bereut er keineswegs: „Hier fühle ich mich hier pudelwohl.“ Dabei stand Wessel vor der Ausbildung zum Altenpfleger im Oktober vergangenen Jahres schon mit beiden Beinen im Berufsleben. Harte Arbeit ist ihm nicht fremd. Aufgewachsen ist er auf Rügen. Wessel lernte Schiffstechniker. „Ich bin früher jahrelang zur See gefahren“, erzählt er. Auf Hochseetrawlern schipperte er nach Afrika und zum Nordkap. Wessel musste überwiegend im Maschinenraum anpacken. Dann kam die Wende – und er zog nach Kiel. Um weiter zur See fahren zu können, wäre jedoch ein erneuter Ortswechsel erforderlich gewesen, was für ihn nicht infrage kam.

Schiffstechniker, Hotelfachmann und Fitnesstrainer

Stattdessen machte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Nebenbei arbeitete Wessel schon damals als Fitnesstrainer. Als ihm ein Studio eine Festanstellung anbot, griff er zu. Doch nach 20 Jahren hatte er nun letztlich die Branche satt.

„Ich hatte Existenzängste“, sagt Wessel. Er wollte sein Berufsleben neu gestalten. „Ich bin aber kein Autoverkäufer oder Steuerberater.“ Es sollte stattdessen ein Beruf sein, der mit Menschen zu tun hat. „Die Pflege liegt bei uns in der Familie“, stellt Wessel fest. Sein Vater war Rettungssanitäter, seine Tochter Lisa ist in der Krankenpflege tätig. Nach zwei Praktika in Kiel und im „Haus Dänischer Wohld“ in Osdorf stand für ihn fest: Altenpflege ist seine berufliche Zukunft.

Und wie steht der Bekanntenkreis zum reifen Azubi? Wessel erhält Anerkennung, hört häufig den Satz: „Ich ziehe meinen Hut.“ Überwindung koste ihn die Arbeit aber nicht, selbst wenn die Grundpflege von Bewohnern mal aufwendiger ist. Wenn Bewohner zuweilen traurig seien, gehöre das Spenden von Trost ebenfalls zu seinem Job. Einige ältere Menschen habe er schon regelrecht ins Herz geschlossen. „Es gibt doch nichts Spannenderes als Lebensgeschichten“, sagt er. Auch Kollegen und Atmosphäre im Altenwohn- und Pflegeheim lobt er.

Praxis im Altenheim, Theorie in der Fachschule

Theoretisches Wissen gehört allerdings auch zur Ausbildung. Wessel besucht den Unterricht in einer Altenpflege-Fachschule in Kiel. Mit 54 Jahren noch einmal Lernstoff büffeln? „Das Lernen fällt mir nicht schwer“, betont der Azubi. Für Gesundheit, Anatomie & Co. habe er sich schon immer interessiert. „Und man hat nicht mehr den Freizeit- und Partystress wie die jungen Leute“, nennt der Kieler schmunzelnd einen Vorteil, „man kennt mehrere Lernmodelle und kann den Stoff in Ruhe durcharbeiten.“

Sein Azubi-Lohn werde von der Agentur für Arbeit aufgestockt, erläutert Wessel. Der Betrag richte sich nach dem höchsten Gehalt der vergangenen zwei Jahre. Er betrachtet die Altenpflege als Beruf mit Zukunft. „Und am Ende des Tages habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben“, sagt der Auszubildende.

Von Jan Torben Budde

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