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Erst Nachdenken, dann Nachfüllen

Fasten für die Umwelt Erst Nachdenken, dann Nachfüllen

Plastikfasten, damit der Kunststoffmüllberg schrumpft, ist nicht Verzicht, sondern Gewinn. Cornelia Müller, Redakteurin der Kieler Nachrichten in Eckernförde, wundert sich selbst über die Erkenntnis. Der siebenwöchige Selbsterfahrungstrip schärft den Blick für unnötige Einkäufe und beflügelt Ideen.

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Im Unverpackt-Laden in Kiel stehen jede Menge Verlockungen, weil alles in großen Gläsern und Behältern reizvoll aussieht. Müllvermeidung funktioniert aber nur, wenn man bewusst einkauft und auswählt. Dazu rät auch Inhaberin Marie Delaperrière.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Eckernförde. Spülmittel, Vollwaschmittel, Shampoo gehen zur Neige. Die Teelichte in transparenten Plastikhüllen, die in bunten Gefäßen so schön leuchten, sind am Ende.

Habe ich Nachfüllmöglichkeiten in Eckernförde übersehen? Am freien Tag besuche ich mit leeren Flaschen und Dosen in Kiel den Unverpackt-Laden. 60 Kilometer Autofahrt dagegen aufzuwiegen, bedarf des großen Einkaufs.

Die Einkaufstour ist sinnvoll mit mehreren Mitfahrern

Sinnvollerweise sollten bei der Extratour zwei bis drei weitere Einkäufer mitfahren. Oder man hat sowieso in Kiel zu tun. Heute ist nichts davon der Fall.

Ich will endlich sehen, was Inhaberin Marie Delaperrière alles anbietet. Mitarbeiterin Lena Braun zeigt mir, wo ich meine Behälter wiege. Später werden sie mit Inhalt nochmals gewogen, der Preis der Ware berechnet.

Zahnbürsten aus asiatischem Bambus hinterfragen

Spül- und Vollwaschmittel sind ausverkauft. Stattdessen fülle ich die große Flasche mit Wollwaschmittel, das ich selten benutze. Duschgel fülle ich ab, obwohl ich es durch ein Seifenstück ersetzt habe. Will ich mir beweisen, dass ich Einwegflaschen noch sinnvoll nutze?

Der Blick bleibt an Zahnbürsten in Pappe hängen: Stiel aus asiatischem Bambus, Borsten aus Nylon. Meine Bürste wird das nicht. Erhellend ist die Abteilung Körperpflege dennoch.

Haarseife im Stück ersetzt Shampoo in der Flasche

Lose purzeln Zahnputztabletten in meine Dose. Die Haarseife wird sich als Entdeckung erweisen: Nie waren die Haare nach der Wäsche so schwungvoll und griffig. Shampoo in Plastikflaschen ade!

Die Ökobilanz purer, loser Mango- und Sheabutter, ursprünglich aus Indien und der Sahelzone, nehme ich nicht unter die Lupe. Beides findet sich auch in teuren Cremes, gemixt mit schwer entschlüsselbaren Zutaten.

Zutaten fürs Deo kann man selbst mischen

Beide Feuchtigkeit bewahrenden Fette zeigen sich höchst praxistauglich – Mandelöl aus Europa tut es aber auch. Das gilt für Deo aus edlem Fett, Speisestärke, Natron, ätherischen Ölen. Die Zutaten könnte ich hier einzeln kaufen.

„Ich mache meine Wimperntusche selbst“, ergänzt Marie. „Noch etwas: Wer selbst bestimmt, in welchem Gefäß sich etwas präsentiert, entwickelt Gefühl für den wahren Wert des Inhalts. Da wird aus weniger viel mehr.“

Noch mehr Tipps zur Müllvermeidung

Die in den USA lebende Französin Béa Johnson befeuerte  in Kalifornien die Bewegung Zero Waste (null Müll). In ihrem in Kiel übersetzten und verlegten Buch gibt sie umsetzbare Tipps.

Béa Johnson: "Zero Waste Home – Glücklich leben ohne Müll", Verlag Ludwig, Kiel 2016

Hier finden Sie mehr aus der Serie "Fasten für die Umwelt":

Teil eins - Sieben Wochen möglichst ohne Plastik

Teil zwei - Mehrweg-Plastikdose statt Einweg-Gefäß?

Teil drei - Der Plastikmüllberg schrumpft schnell

Teil vier - Müllvermeidung scheitert an Bürokratie

Teil fünf - Wertstoffhof legt den Wegwerfwahn offen

Und hier gibt es mehr über das Prinzip Unverpackt

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Hier sehen Sie mehr Bilder zum Thema Verpackungsmüll vermeiden.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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