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Eckernförde Wenn Gräber Geschichte bezeugen
Lokales Eckernförde Wenn Gräber Geschichte bezeugen
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12:00 06.10.2018
Von Cornelia Müller
Der pensionierte Oberstudienrat und Historiker Bernd Schedlitz aus Kiel nimmt regionale Bezüge der deutschen Geschichte anhand von Grabstätten unter die Lupe. Das Mausoleum von Gut Hemmelmark, in dem Prinz Heinrich von Preußen bestattet ist, macht für ihn das Ende einer Epoche anschaulicher. Quelle: Cornelia D. Mueller
Eckernförde

Ein Feld zwischen den Gütern Hemmelmark und Hohenstein. Das Mausoleum zwischen uralten Eichen wäre von der Straße aus nicht zu erahnen, wüsste man nicht um seine Existenz. Hier ist Prinz Heinrich von Preußen beigesetzt.

„Hier bin ich heute erstmals“, sagt Schedlitz. „Ich recherchiere, wo bekannten Persönlichkeiten beigesetzt wurden, mache Fotos. Und ich notiere auffällige Grabmale oder Namen“, erläutert er. Die weitere Recherche folgt später.

Die Friedhofsforschung rund um Kiel soll in ein Buch münden

Soll ein Buch daraus werden? Schedlitz: „Noch bin ich nicht fertig mit den Nachforschungen. Mir schwebt schon eine Veröffentlichung vor, die auf Personen von öffentlichem Interesse zurückblickt und die Begräbniskultur berücksichtigt.“

Betreffende Grabstellen in Kiel hat er weitgehend katalogisiert. In Dänischenhagen, Altenhof, Eckernförde war er mehrfach unterwegs, genauso wie auf dem Ostufer der Kieler Förde.

1929 wurde der Bruder von Kaiser Wilhelm II. bei seinem Landsitz Gut Hemmelmark beerdigt. Das Mausoleum hatte er vorher nach russischem Vorbild errichten lassen. Seine Ehefrau war Schwester der russischen Zarin Alexandra.

Das Mausoleum in Hemmelmark bei Eckernförde wird zum Sinnbild

Durchs Gitter fällt der Blick ins Innere. „Das jüngste Kind starb schon 1904. Der Kleine war erst vier“, weiß Schedlitz. Das Kindergrab ist Mittelpunkt. Prinz und Prinzessin sind in der Nische bestattet, als träten sie auch im Tod zur Seite. Sinnbild eines historischen Bruchs?

„Auf dem Borbyer Friedhof sind beispielhaft zwei Epochen deutscher Geschichte präsent, die uns mahnen“, erläutert Schedlitz. Das gilt etwa für das Grab von Dr. med. Emma Lüthje.

„Sie war in den 1940er-Jahren mit verantwortlich für den Tod von mindestens 56 Kindern mit Behinderungen. Angeklagt wurde sie nie“, sagt er. „Sie praktizierte weiter als Kinderärztin.“

Bedrückende Erinnerung an die RAF-Geiselnahme in Stockholm

Oder das Grab von Andreas Baron von Mirbach, gestorben am 24. April 1975. Schedlitz: „Der Überfall der Rote Armee Fraktion auf die westdeutsche Botschaft in Stockholm bekommt hier Gestalt. Militärattaché von Mirbach zwangen die Geiselnehmer zur Verhandlung mit der Polizei."

Nach Ablauf ihres des Ultimatums erschossen sie ihn und später Wirtschaftsattaché Heinz Hillegaart. Sie wollten unter anderem Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen.

Der Stab um Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) lehnte ab. „Mein ganzer Instinkt sagt mir, dass wir hier nicht nachgeben dürfen...“, wurde Schmidt zitiert. Vor dem Grab machen diese Worte stumm.

Hier sehen Sie mehr Bilder über das Projekt Geschichtsforschung auf Friedhöfen.
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