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Eckernförde Rätselhafte Gruft entdeckt
Lokales Eckernförde Rätselhafte Gruft entdeckt
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17:11 11.04.2019
Von Christoph Rohde
Denkmalexperte Deert Lafrenz begutachtet die bei Bauarbeiten an der St.-Nicolai-Kirche entdeckte Gruft. Sie besaß einen Zugang vom Chor aus. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Deert Lafrenz, ehemaliger Gebietsreferent für die Ostküste beim Landesdenkmalamt, kennt die St.-Nicolai-Kirche aus dem Effeff. Doch diese versteckte Gruft war auch für ihn eine Überraschung. Sie war eher schlicht gehalten. „Die erste Kalkschicht ist noch drauf, aber alles was man an den Wänden sieht, war nicht bemalt“, erläutert der Denkmalexperte. Zugänglich war die Gruft offenbar vom Chorraum aus. Heute noch gibt es in einer Nische eine hölzerne Tür mit Eisengitter dahinter, die vermauert ist.

Vieles spricht dafür, dass einst von hier aus eine Treppe hinab in die Gruft führte. „Am Feldsteinfundament der Kirche kann man erkennen, dass nachträglich eine Öffnung vermutlich für eine Treppe hineingebrochen wurde“, analysiert Lafrenz. Über der Gruft hatte bis Ende des 19. Jahrhunderts rechts neben dem Chor ein kleiner frühgotischer Anbau gestanden. Die Schemen der Schrägen seines Satteldachs sind heute noch am Mauerwerk bei genauerem Hinsehen zu erkennen.

Deert Lafrenz will im Archiv des Kirchenkreises weiterforschen

Dieser Anbau wurde um 1880 abgerissen. Mit dem Schutt verfüllte man damals die darunter liegende Gruft. Viel ist von ihr deshalb nicht mehr zu sehen. Fragmente aber weisen darauf hin, dass sie ein rundbogiges Tonnengewölbe besaß und etwa 3,50 Meter lang war. Wer hier einst begraben wurde, ist momentan noch Spekulation. Lafrenz will dazu weiterforschen und beim Archiv des Kirchenkreises in Rendsburg recherchieren. Dort sollen noch Bauakten für die St.-Nicolai-Kirche aus dem 19. Jahrhundert lagern. Für den Denkmalexperten, der ein Gutachten zur Stadtkirche geschrieben hat, ist die Gruft ein weiterer Mosaikstein für eine Baugeschichte, die er über St. Nicolai veröffentlichen möchte.

Sanierungs-Architekt Dietrich Fröhler ist froh, dass die Bauarbeiter an der Kirche achtsam zu Werke gingen, den Fund meldeten und die Gruft bis auf den Boden freilegten. Särge wurden nicht mehr gefunden, der Raum war ausgeräumt. Nach seinen Angaben könnte es sogar einen zweiten Zugang von außen über den dann abgerissenen Anbau gegeben haben. Noch allerdings hat die St.-Nicolai-Kirche nicht alle ihre Geheimnisse aus den vergangenen Jahrhunderten offenbart. Damit das historische Gotteshaus auch künftig von ihnen erzählen kann, liegt die Sanierung jetzt in den letzten Zügen.

Sanierung in den letzten Zügen

Damit das Mauerwerk trocken bleibt, zieht sich als letzter Sanierungsabschnitt jetzt ein Belüftungsgraben um das Fundament, der mit einem Gitterrost abgedeckt wird. Fröhler schätzt, dass die Arbeiten für die Rinne noch rund acht Wochen andauern werden. Mit den reinen Erdarbeiten, „sind wir wohl in vier Wochen durch“, meint der Architekt. Im Mai soll außerdem der noch fehlende Restteil über dem Südportal fertiggestellt werden. Ferner werden die Grünflächen wieder hergerichtet.

Die neu entdeckte Gruft zu restaurieren, macht laut Fröhler dagegen keinen Sinn. Zu wenig ist von ihr erhalten, Verzierungen fehlen. Sie erweckt eher den Eindruck einer ummauerten Grube. Folglich ist sie wieder verfüllt worden. Ihre rätselhafte Geschichte aber und die der einst dort Bestatteten könnte sich über die alten Kirchenakten erhellen lassen. Es gibt also noch einiges zu erforschen.

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Fotos zu den Grüften in St. Nicolai
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