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Eckernförde Liebesdrama auf Tapete in neuer Frische
Lokales Eckernförde Liebesdrama auf Tapete in neuer Frische
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06:00 11.01.2019
Von Cornelia Müller
Papier- und Gemälderestauratorin Ricarda Holly zeigt ein Foto von einer beschädigten Stelle am unteren Rand des letzten „Kapitels“ der Götter-Geschichte. Der schadhafte Teil des Motivs ist auf dem Original bereits restauriert. Die teils fehlende Bordüre soll nach Möglichkeit ergänzt werden.  Quelle: Cornelia D. Mueller
Osdorf

Die griechischen Götter bezaubern Feriengäste auf Borghorst schon morgens. „Hier im Gartensaal gibt es das Frühstück“, erklärt Caroline Odefey, heutige Besitzerin des Herrenhauses aus der Zeit um 1742. Sich satt essen ist dann das Eine. Doch sich satt sehen kann man sich kaum.

An drei Wänden entfaltet sich ein üppiges Geschehen auf der Insel Ogygia. Hier hatte es laut Homer die Meernymphe Kalypso auf Telemachs Vater Odysseus abgesehen – erfolglos. Glaubt man Dichter François Fénélon, macht sie später auch seinem Sprössling schöne Augen. Dumm nur, dass der sich in die Nymphe Eucharis verliebt.

Das göttliche Panorama auf Tapete wurde vor 1823 in Paris gedruckt

Die Pariser Tapetenmanufaktur Dufour und Leroy nahm sich des Stoffs an, mit dem der Autor damals dem Absolutismus eine verschlüsselte Lektion erteilte. Auf Borghorst orderte man einen Satz der brandneuen, sündhaft teuren Papierbahnen. Sie sollten den Garten märchenhaft in den Festsaal ausdehnen. 

Sieben Kapitel Illusion entrollen sich vor dem Auge, farbenfroh wie vor 200 Jahren. „Aber nur nahezu so leuchtend“, wissen die Restauratoren Ricarda und Tilman Holly. „Die Tapete ist einmalig gut als Ganzes erhalten, denn die Sonne hat sie nie direkt bestrahlt“, fügt die Hausherrin hinzu.

Schüsse im Gartensaal von Gut Borghorst hinterließen Löcher in der Tapete

Doch sie weiß, dass Löcher, die an einigen Stellen klafften, „von Schüssen herrühren, die wohl während der Besatzung nach dem Krieg abgefeuert wurden“. Dieser und anderer stärker beschädigter Partien hat sich Papierrestauratorin Ricarda Holly, deren Atelier in der Nähe von Koblenz ist, mit einer Kollegin angenommen.

Teilweise muss sie sehr erfinderisch sein. „Die Seitenbahnen sind auf Leinwand geklebt. Dahinter ist ein Hohlraum“, erläutert sie. „So konnten größere Löcher entstehen. Sie zu schließen, war eine Herausforderung.“ Gemälderestaurator Tilman Holly erläutert, dass man mit Hilfe flacher Metallstäbe, Magnete und aufgeklebter Fäden zum Ziel kam.

Bei der Hochzeitsmesse ist die Tapete im Herrenhaus in Osdorf zu bestaunen

„Eine Überraschung ist für uns, dass wir Zeitungsdrucke von 1823 hinter Tapetenteilen entdeckt haben. Bisher gingen wir davon aus, dass die Ausstattung erst 1825 erfolgte“, resümieren Hollys. Zunächst fließt ein höherer vierstelliger Zuschuss der Denkmalpflege in das Projekt, dessen Betrag die Hausherrin verdoppelt hat.

Momentan widmet sich das Team der schadhaften Papierbordüre um die bunten Szenen. Caroline Odefey setzt für die zweite Phase der Restaurierung auf Sponsoren. Ansehen kann man die Tapete am Sonnabend und Sonntag, 12. und 13. Januar, von 11 bis 18 Uhr bei der Hochzeitsmesse auf Gut Borghorst.

Hier sehen Sie mehr Bilder von der historischen Tapete im Gartensaal des Herrenhauses in Osdorf.
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