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Eckernförde Vom Hörabenteuer zum Erlebnis fürs Auge
Lokales Eckernförde Vom Hörabenteuer zum Erlebnis fürs Auge
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23:19 28.01.2019
Von Cornelia Müller
„Musik für fünf Stücke Holz“ von Steve Reich rund um das Taufbecken in der Mitte der Zuschauerreihen: Johannes Fischer (Zweiter von rechts) fordert mit seinem Ensemble das Sehen beim Hören geradezu heraus. Quelle: Cornelia D. Mueller
Eckernförde

Nicht dass ein Hörerlebnis, das das Auge einbezieht, nicht immer überraschend und spannend wäre. Aber nun können die Zuhörer und -schauer unauffällig herum rutschen statt sich zu verrenken. Es lässt sich in der frisch sanierten Kirche, deren Bänke testweise für ein Halbjahr durch Stühle ersetzt sind, nun leichter verfolgen, was solch irrwitzige wie faszinierende Klangwelten erzeugt.

Johannes Fischer war mehrfach Gast der Neuen Musik in Eckernförde

Johannes Fischer, Schlagzeugprofessor in Lübeck und „der Klangzauberer“ unter renommierten Künstlern des unerschöpflichen Schlaginstrumentespektrums, ist nicht erstmals Gast der Neuen Musik Eckernförde.

Sein international besetztes Sextett hat diesmal Kompositionen von Iannis Xenakis, Steve Reich, Nicloaus A. Huber und eine Komposition von Fischer selbst im Köcher. Der hat die Sixxen – eigens für Xenakis’ Komposition entwickelte mikrotonal gestimmte Metallplatten – heute ums Publikum herum gebaut.

Vom weiten Raum der St.-Nicolai-Kirche geht es auf ins All

Kaum hat der Rhythmus mit raffinierten Verschiebungen zwischen den sechs Stationen alles Bekannte pulverisiert, strebt der Klang wie funkelnde Eisbröckchen in unbekannte Weiten. Es sirrt und summt über und hinter dem Schlagen, alles durchdringt einander. Auf ins All zu den Plejaden.

Augen schließen und genießen ist das Eine. Die Quelle entdecken wollen das Andere. „Wir haben Sie ins eisige Wasser gestoßen und mit Extremseiten der Musik konfrontiert“, räumt Fischer nach rauschenden Beifall lächelnd ein und klärt über das scheinbar Unerklärliche auf.

Die fehlenden Kirchenbänke lassen zuerst den Halt vermissen

Die Neugier auf die Weiterreise in unerhörte Welten ist gestärkt. Alle Scheu, genau zu schauen beim Hören, ist genommen. „Mir fehlt gerade der optische Halt ohne die Kirchenbänke“, sagt eine Besucherin nachdenklich. „Alles treibt so durcheinander.“

Reichs „Musik für fünf Stücke Holz“, afrikanisch inspiriert, versammelt fünf der Künstler um das Taufbecken zwischen den Sitzblöcken. Das Repetitive formt sich zum vielstimmigen Chorus mit seltsamer Melodie, saugt das Bewusstsein hinein in die Tiefe, in der Trance entsteht. Wunderbar ist der Gegensatz zu dem Bild, den die ruhig und konzentriert ums Becken stehenden Schlagzeuger mit den Holzbrettern abgeben.

Dann entdeckt das Publikum die Freiheit des offenen Kirchenraums

Noch spannender wird es beim Solo „Air“ von Johannes Fischer. Ein kleines Arsenal von Haushaltsbürsten, Stöckchen dünn wie Stricknadeln, die Vibration eines elektrischen Rasierapparat, gepaart mit sanftem Streichen und Drücken der Finger aufs Fell, lassen die Kleine Trommel erzählen, flüstern und Geheimnisse andeuten. Poesie pur per Percussion.

Nach 90 Minuten Konzert gibt es stehenden Applaus aus den nicht mehr ganz so geordneten Reihen. „Ich kann mich mit der Freiheit des Raums nun anfreunden“, raunt die besagte Besucherin. „Man muss sie nur erst einmal entdecken.“

Hier finden Sie alle Nachrichten aus dem Raum Eckernförde.

Hier sehen Sie mehr Bilder vom Schlagzeugkonzert und aus der sanierten Kirche.
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