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Eckernförde Geplante Sprengung erregt die Gemüter
Lokales Eckernförde Geplante Sprengung erregt die Gemüter
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11:10 26.09.2018
Von Frank Behling
Die Fregatte "Karlsruhe" ist klar zur Ansprengung. 800 Sensoren sind angeschlossen, alle Verschlüsse dicht. Quelle: Frank Behling
Kiel/Eckernförde

Die Lage ist allerdings kompliziert. Denn das Bundesverteidigungsministerium hat für das Seegebiet Sonderrechte. Regelmäßig werden dort auch zu Ausbildungszwecken Unterwasserdetonationen ausgelöst.

Die Fregatte „Karlsruhe“ soll vor Schönhagen aber ein neues Kapitel eröffnen. Erstmals sind dort Versuche mit einem Schiff der modernen Bauart geplant. Das 1981 bei der Kieler Werft HDW auf Kiel gelegte Schiff wurde erst im Juni vorigen Jahres außer Dienst gestellt.

Im Oktober kam das Schiff nach Kiel, wo es auf seinen Einsatz als Demonstrator für Waffentests unterschiedlicher Art vorbereitet wurde. An Bord befinden sich nun auch sogenannte „Anthropomorphic Test Devices“ – Crash-Test-Dummies, die sonst bei Tests mit Autos und Panzern zum Einsatz kommen. Sie sollen Informationen zum Verletzungsrisiko von Schiffsbesatzungen liefern. Außerdem wurde die 130 Meter lange Fregatte mit 400 Sensoren ausgerüstet, die alle Erschütterungen und Verformungen aufzeichnen sollen.

Sprengversuche der Bundeswehr sollen neue Erkenntnisse liefern

Mit den gewonnenen Daten kann analysiert werden, ob, wann und warum ein Waffensystem, eine Maschine oder ein Computer an Bord bei einem Treffer oder einer Unterwasserdetonation ausfallen können. Diese Daten sollen auch in die Konstruktion der neuen Schiffsklassen einfließen.

Zuletzt war im Herbst 2006 der alte Zerstörer „Lütjens“ vor Schönhagen angesprengt worden. Dabei kamen auch große Sprengladungen zum Einsatz, die den Zerstörer schwer beschädigten. Die „Lütjens“ musste damals mit Wassereinbruch nach Kiel zur Notdockung in die Lindenau-Werft geschleppt werden. Das soll sich nicht wiederholen. In dem vergangenen Monaten wurden alle Ventile und Rumpföffnungen der „Karlsruhe“ so verschlossen, dass ein Wassereinbruch möglichst verhindert werden soll.

Halten Sie die Sprengübungen in der Ostsee noch für zeitgemäß?

Die Fregatte „Karlsruhe“ soll ab Oktober als schwimmender Demonstrator für Ansprengversuche genutzt werden. Im Sperrgebiet der Bundeswehr vor Schönhagen wird es dazu Sprengungen geben - doch es wächst der Widerstand. Mehr zum Thema.

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In anderen Ländern sind derartige Tests durchaus üblich. In Schottland sprengt die Royal Navy ihre Schiffe an. Auf der Ostsee testen Schweden, Dänemark und Polen. Die USA, Japan, Kanada, Australien, Brasilien, Großbritannien, Türkei und Norwegen haben in den vergangenen Jahren sogar gezielt Schiffe versenkt, um Erfahrungen mit Waffensystemen zu machen. Aktuell werden in den USA zwei erst kürzlich außer Dienst gestellte Fregatten für Versenkungen im Pazifik vorbereitet.

Sprengversuche der Bundeswehr: Kommunen zur Klage bereit

An Land Schleswig-Holstein formiert sich indes der Widerstand. Um ein ordnungsgemäßes Verfahren bei den Ansprengversuchen vor Damp durchzusetzen, sind Kommunen an der Küste sogar zur Klage bereit. Das kündigten Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen (parteilos) und Dörphofs Bürgermeister Frank Göbel (CDU) am Sonntag in Schönhagen an.

Sehen Sie hier ein Video über Sprengversuche der Bundeswehr

Auf einer Informationsveranstaltung des Naturschutzbundes Deutschland wiesen sie darauf hin, dass die im Oktober geplanten Sprengungen an der ausgemusterten Fregatte „Karlsruhe“ im militärischen Sperrgebiet Schönhagen geschützte Arten in Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) beeinträchtigen.

„Unseres Erachtens kann erst gesprengt werden, wenn entschieden ist, ob eine so genannte FFH-Prüfung erforderlich ist“, sagte Göbel. Die Entscheidung sei beim dafür zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume laut Göbel noch nicht gefallen, da sich die Marine bei der Herausgabe von Informationen auf Geheimhaltung berufe. Wenn bis Donnerstag keine Entscheidung gefallen ist, wollen beide Kommunen prüfen, ob sie gegen die Ansprengversuche klagen können. Es kann erst gesprengt werden, wenn über eine FFH-Prüfung entschieden worden ist.

Sprengversuche der Bundeswehr: Teil 2 des Videos

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