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Eckernförde Ehrung für großen Sohn der Stadt
Lokales Eckernförde Ehrung für großen Sohn der Stadt
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17:14 04.11.2015
Von Christoph Rohde
Heute Wohnhaus, früher Christians-Pflegeheim. Ein Bronze-Relief an der Mauer erinnert daran, dass Lorenz von Stein hier in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Schule besuchte. Teile des historischen Gebäudekomplexes in der Kieler Straße Süd fielen späteren Straßenbaumaßnahmen zum Opfer. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Die Heimatgemeinschaft hat mit einem Team um Koordinator Heinrich Mehl die außergewöhnliche Lebensgeschichte eines Mannes nachgezeichnet, dem kein leichter Start in die Wiege gelegt war.

 Lorenz von Stein wird am 15. November 1815 im damals eigenständigen Borby geboren. Er ist das Kind einer Liaison zwischen Anna Elisabeth Helms, deren Ehe mit Carl Friedrich Stein zerbrochen war, und dem Obristleutnant Lorentz Jacob von Wasmer. Von Wasmer stammt aus guter Familie und ist offiziell der Ehemann von Sophia Henningia von Brockdorff. Als ein zweiter gemeinsamer Sohn zur Welt kommt, beginnt von Wasmer, sich als Pate an der Seite von Anna Elisabeth zu den beiden Jungen zu bekennen. Doch hatten Kinder aus unehelichen Beziehungen seinerzeit keine große Karriere zu erwarten. Sie wuchsen oft in einem gesellschaftlichen Dunkelfeld auf.

 Lorenz Jacob Stein, wie er abweichend vom Taufregister-Eintrag (Wasmer Jacob Lorentz) genannt wird, kommt allerdings von Beginn an in den Genuss einer besonderen Förderung durch seinen Vater. Mit sechs Jahren besucht er das Eckernförder Christians Pflegeheim, das 1820 vom Invalidenheim und Waisenhaus zur Schule umgestaltet wurde, die, so das Chronisten-Team, mit den Jahren einen Vorbildcharakter für ganz Dänemark entwickelte. Militärisch streng, aber nach modernsten pädagogischen Grundsätzen wird der junge Lorenz elf Jahre lang hier unterrichtet. 1832 verlässt er die Schule, um in Flensburg mit einem Stipendium des dänischen Königs sein Abitur abzulegen.

 Im Anschluss beginnt Stein ein Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie an den Universitäten Kiel und Jena. 1840 promoviert er und erhält mit 28 Jahren eine Jura-Professur in Kiel. Doch sein Blick schweift weiter: Er erkennt früh die sozialen Folgen der beginnenden Industrialisierung, befasst sich intensiv mit Politikwissenschaft, Staatsrechtslehre und Nationalökonomie. In den Jahren 1848 bis 1852 beteiligt sich Stein aktiv an der politischen Erhebung Schleswig-Holsteins gegen Dänemark. Als diese scheitert, hat das Konsequenzen: Er wird aus dem Universitätsdienst in Kiel entlassen. Stein geht nach Wien als Professor für Politische Ökonomie. Die folgenden 35 Jahre werden für ihn zu einem Höhepunkt seiner akademischen und gesellschaftlichen Karriere. 1868 erhebt ihn der österreichische Kaiser in den Ritterstand. Von nun an steht ein „Von“ im Namen der Steins. Der Ruf des Wissenschaftlers dringt bis nach Japan. Er berät das Land bei seinen Bestrebungen, sich zu öffnen und sich eine Verfassung für eine neue Staatsform zu geben.

 1890 stirbt von Stein im Alter von 74 Jahren in Wien und wird dort auf dem Matzleinsdorfer Friedhof beerdigt. Doch auch sein Geburtsort Eckernförde bewahrt das Andenken an den großen Sohn der Stadt. Das Museum widmet ihm eine eigene kleine Abteilung mit originalen Buchausgaben, Fotografien und Zeichnungen. Ein Kuriosum ist ein Briefbeschwerer in Form einer Miniatur-Kanone, die aus einem Kanonenrohr des am „Tag von Eckernförde“ 1849 versenkten dänischen Linienschiffes „Christian VIII“ gegossen worden sein soll. Das Haus, in dem der kleine Lorenz in den ersten Jahren vermutlich aufwuchs, steht noch in der Bergstraße 12, befindet sich aber in baulich schlechtem Zustand.

 Zum 200. Geburtstag des renommierten Wissenschaftlers soll nun am Donnerstag, 12. November, auf dem Eckernförder Rathausplatz eine Büste Lorenz von Steins enthüllt werden. Angeregt wurde die Idee von Uwe-Jens Müllenhoff und Günter Hass, finanziert von einem Freundeskreis. Geschaffen hat die Büste der Künstler Manfred Sihle-Wissel, der schon das Porträt des Eckernförder Lyrikers Wilhelm Lehmann gestaltete, das ebenfalls auf dem Rathausplatz steht.

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