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Eckernförde Zeitreise durch das Noor
Lokales Eckernförde Zeitreise durch das Noor
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17:33 10.11.2015
Von Christoph Rohde
Ein Laserscan von Eckernförder Bucht und Noor zeigt deutlich, wie Gletscherzungen von Osten kommend die Landschaft gestaltet haben. Wasser ist dunkelblau markiert, die Abstufungen von Hellblau bis Rot kennzeichnen die Höhen. Quelle: LVerm Geo SH
Eckernförde

Im restlos gefüllten Carls Showpalast ging der Leiter der AG Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft um 10000 Jahre zurück. Solange ist es her, dass sich die letzten Gletscher der Eiszeit aus Schleswig-Holstein zurückzogen. Eine der Gletscherzungen hatte die Eckernförder Bucht ausgehobelt und formte die Hüttener Berge. Ein Souvenir aus dieser Phase findet sich im Windebyer Noor: der weiße Stein. Er ist einer der größten Findlinge im Land, sein Gewicht wird auf 48 Tonnen geschätzt. Und er hat eine weite Reise hinter sich. Nach Angaben von Sebastian stammt der Steinriese ursprünglich aus Värmland in Schweden. Das Attribut „weiß“ hat der beliebte Ruheplatz für Möwen und Kormorane allerdings dem Vogelkot zu verdanken.

 Kurz vor 2000 vor Christus ist von Eckernförde noch nichts zu sehen. Erst mit den Jahrhunderten bildet sich durch den Sandtransport entlang der Steilküsten der Nehrungshaken zwischen Ostsee und Noor, auf dem später die Stadt entstehen kann. Funde, die bei Baggerarbeiten an der Küste gemacht wurden, weisen allerdings noch weiter zurück. Als vor 7000 Jahren Menschen den durch die Tundren ziehenden Rentieren folgten, ließ einer eine Geweih-Axt mit der Strichzeichnung eines Jägers zurück. „Der erste Eckernförder“, kommentiert Sebastian das seltenen Beweisstück.

 Vor 3700 Jahren hinterließen die Menschen der Jungsteinzeit eine einmalige Grabkultur. Auch rund um das Windebyer Noor, beispielsweise bei Goosefeld, finden sich Megalithgräber (Großsteingräber), die aus wuchtigen Findlingen angelegt wurden. „Lange vor den Pyramiden“, so der Leiter der AG Vor- und Frühgeschichte. Aus Stein geschlagene Äxte, Klingen, Bohrer und Schaber hat Sebastian schon auf den Feldern um Schnaap gefunden. Aber auch später, zur Eisenzeit, war das Noor Siedlungsland. Rätselhafte Muschelhaufen künden davon, dass vor 2000 Jahren an den Ufern Menschen lebten.

 Sebastian geht davon aus, dass Herbststürme die Muscheln an den Ufern anlandeten. Die damaligen Menschen haben sie dann genutzt und vermutlich gekocht. Darauf weisen Holzkohle-Einlagerungen in den Muschelhaufen hin. Viele Herzmuscheln finden sich an insgesamt 25 Stellen rund um das Noor, aber auch, als seltene Funde, Austern. Laut Sebastian müssen zu dieser Zeit relativ viele Menschen am Noor gelebt haben. Wo ihre Siedlungen lagen, ist unbekannt.

 Eine weitere Besonderheit am Noor ist der Osterwall, der als Fortführung des Danewerks bis an das Gewässer heranreichte. Bei Kochendorf sind noch Überreste des vier bis fünf Meter hohen Walls zu erkennen, auf dem zur Wikingerzeit eine Palisadenwand stand. Rätsel gibt dagegen eine Steinreihe auf, die bei Frohsein zum Noor hin führt. „Wir hoffen immer noch, dort vielleicht eine historische Hafenanlage zu finden“, sagt Sebastian. Schon früh befuhren Fischer das Noor mit Booten. 1963 wurde bei der Carlshöhe ein Einbaum gefunden. Er ließ sich auf das Mittelalter datieren. Ein Fragezeichen steht hinter zwei niedergelegten Dörfern am Noor, von denen heute nichts mehr zu finden ist. Auf alten Karten sind Bezeichnungen für Brüttebek sowie Broosby oder Brodersby zu finden. An Letzteres erinnert die heutige Broosbyer Koppel.

 Die Geschichte des Noores können Spaziergänger anhand von 15 Info-Tafeln am Wegesrand nachvollziehen.

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