Kiel. Obwohl Randy Barton 16 Jahre seiner Kindheit und Jugend in Kiel verbracht hat, spricht er mit einem starken amerikanischen Akzent. Nur mit seinen Schulenglisch-Kentnissen ist er als 20-Jähriger in die Staaten gegangen, um dort zu leben und zu arbeiten. „Ich war jung, ich war frech und ich hatte Geld in der Tasche“, sagt er lachend. „Ich wollte die Welt sehen, you know?“ Barton ist Amerikaner. Aber in Kiel hält ihn viel. In der Holstenstraße in der Nähe Alter Markt gibt es sogar eine Bodenplakette, auf der sein Name steht. „Die hat meine Mutter damals für ungefähr 200 Mark gekauft und mir gewidmet“, erinnert er sich und schmunzelt.
Der heute 57-Jährige lebt in Reno in Nevada. „Das ist ungefähr 500 Meilen von Las Vegas entfernt“, erklärt er. „Es ist die kleinste größte Stadt der Welt, weil im Sommer drei mal so viele Touristen kommen, wie die Stadt Einwohner hat.“ Ein beliebtes Reise-Ziel ist Reno wegen seiner vielen Casinos. Kein Wunder, dass auch Barton in einem arbeitet: „Ich bin seit 25 Jahren im Casino-Geschäft und seit zwölf Jahren ,Executive Casino Host‘ im Harrah‘s, einem der größten Casinos der Welt.“ Man müsse sich seinen Job vorstellen wie einen Butler oder Diener, der den reichen Kasino-Kunden alle Wünsche erfüllt, der rund um die Uhr für sie da ist.
Randy Barton wurde 1954 in Florida geboren. Nach der Trennung seiner Eltern, zog er mit seiner deutschen Mutter im Alter von vier Jahren erst nach Elmschenhagen, weil hier seine Großmutter lebte, dann nach Kiel. Barton ging in die Goetheschule. Nach seinem Realschulabschluss arbeitete Barton in der Bergstraße: „Das war damals in den 70ern schon eine Discotheken-Straße. Das Ex 2000 kannte jeder“, erinnert er sich. „Ich bin ein Gastronomie-Mensch und hatte immer ein oder zwei Jobs an der Theke oder in der Küche.“ Durch seine Arbeit hinter den Tresen der Bergstraße kam er in die Branche und blieb ihr treu – nur nicht in Deutschland. Da er immer noch seinen amerikanischen Pass hatte, sei es keine schwere Entscheidung gewesen, wieder in die Staaten zu gehen, so Barton.
Seit Randy Barton in Amerika lebte, schickte ihm seine Mutter Ausgaben der Kieler Nachrichten per Post. „Ich hatte oft das Bedürfnis zu schauen, was zu Hause so los ist. Kiel ist schließlich meine erste Heimat, die ich kenne. Ich bin in Kiel aufgewachsen.“ Mittlerweile ist Bartons Mutter verstorben. Seither hält er sich auf KN-online über das Geschehen auf dem Laufenden. Auch wenn Randy Barton lieber in Reno lebt, hängt er an seiner „ersten Heimat“. Und eines weiß er ganz sicher: „Wenn ich mal eine Kneipe in den Staaten eröffne, werde ich sie ,Kiel‘ nennen.“
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