Kiel. Der kräftige Applaus ließ seinen späteren Sieg erahnen: Eine deutliche Mehrheit im Wahlkreis 5 (Kiel/Altenholz/Kronshagen) will, dass er in den Bundestag einzieht. Seit Wochen gärte es in der Kieler CDU: Wie berichtet, hatte sich nach dem einstimmigen Votum des Kieler Kreisvorstandes für die Kandidatur von Thomas Stritzl (55)Ende Oktober vor wenigen Tagen überraschend auch Marion Herdan (54), Kreistagsabgeordnete aus Rendsburg-Eckernförde, auf Vorschlag der CDU Altenholz beworben. Sie sei von etlichen Parteifreunden aus dem gesamten Wahlkreis angesprochen worden, als „frische Kandidatin von außen“ ins Rennen zu gehen, begründete sie ihre Bewerbung. Zu ihrem Unterstützer-Kreis zählte auch Kiels frühere Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz, die seit langem als Stritzl-Kritikerin gilt und Herdan als qualifizierte Politikerin lobte.
Doch nicht Volquartz, sondern Arne Wulff, früherer Kieler CDU-Fraktionschef und ehemaliger Stadtpräsident, warb bei der Mitgliederversammlung für Herdan als politische und personelle Alternative. „Wir brauchen mehr Frauen in den Parlamenten“, bescheinigte er ihr „beste Chancen auf einen guten Listenplatz“. Die gebürtige Kielerin (“Ich liebe meine Heimatstadt. Ich kenne ihre Probleme“) gab sich bei ihrer Bewerber-Rede kämpferisch, versprach, sich für die Region in Berlin stark zu machen: Maritime Wirtschaft, Hochschulstandort, Marine, Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals nannte sie als gewichtige politische Punkte.
Für Stritz als „bestmöglichen Kandidaten“ ging dagegen sein Stellvertreter und Fraktionschef Stefan Kruber in die Bütt: Die Parteifinanzen seien in Ordnung, mit fast 790 Mitgliedern wachse der Verband. Sein Fazit: Stritzl kenne mit seiner Erfahrung nach 22 Jahren als Landtagsabgeordneter und langjähriger Kreischef die Probleme, die Menschen, sei kompetent und könne gegen den SPD-Konkurrenten Hans-Peter Bartels, der den Wahlkreis seit Jahren direkt gewonnen hat, auch kämpfen.
Das Stichwort nahm Stritzl auf, als er bekannte: „Ich bin nicht als Engel geboren, werde auch nicht als Engel sterben, aber ich kann kämpfen.“ Er beschwor als Initiator eines parteiübergeifenden Bündnisses für den Erhalt der Bundeswehrstandorte „sein Herz für die Marine“, warb für Chancen des Geländes der Marinefluggeschwaders, um dort qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.
Keiner der 204 Mitglieder ergriff nach den Vorstellungsreden das Wort, alle fieberten dem Votum entgegen, das deutlicher als erwartet ausfiel Bei zwei ungültigen Stimmen und einer Enthaltung entfielen 115 Stimmen auf den Kieler CDU-Chef (57,2 Prozent), 86 Stimmen auf Herdan. Bei seinen Anhängern brandete danach großer Jubel auf.
Schon die Wahl der elf Kieler Delegierten für den Parteitag, der die Landesliste für die Bundestagswahl bestimmen soll, hatte bereits zu Anfang des Treffens signalisiert, dass Stritzl den Machtkampf für sich entscheiden wird. Während der Kreisvorsitzende dabei die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte, landete Angelika Volquartz abgeschlagen auf Platz 12. Nach seinem Sieg rief Stritzl die Mitglieder im gesamten Wahlkreis mit Blick auf die anstehenden Wahlen zur Geschlossenheit auf: „Wir müssen gemeinsam an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen.“
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