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Lebensmittel

Essen zum Verschenken

Von Anne Holbach

Übriggebliebene Baguettes von der letzten Party oder volle Milchtüten vor dem Urlaub – all das werfen viele weg. Rund 82 Kilo Lebensmittel landen so jährlich im Schnitt pro Bundesbürger im Müll. Diese Verschwendung soll ein Ende haben, finden Baldrun Bente und Christiane Leptien aus Kiel.

Wegwerfen kommt nicht in die Tüte: Baldrun Bente (li.) und Christiane Leptien.

© Pregla

Kiel. Die Kielerinnen sind aktiv auf der Internetplattform foodsharing.de. Das Prinzip ist einfach: Essen teilen statt wegschmeißen. „Ich mache es schon lange so, dass ich meine Lebensmittel an Nachbarn oder Freunde verschenke, bevor ich wegfahre,“ sagt Baldrun Bente. „Aber manchmal wird man die Sachen privat einfach nicht los. Das ist dann schade, wenn alles in den Müll wandert.“ Die Lösung hierfür fand die 22-Jährige im Internet.

Auf foodsharing.de kann jeder, der Lebensmittel übrig hat, diese eintragen und in einem Essenskorb anderen anbieten. Auf einer Karte im Netz oder per App können registrierte Nutzer dann sehen, was es in ihrer Umgebung zu verschenken gibt. Mit wenigen Klicks können Suchende sich den Essenskorb reservieren und bekommen die Kontaktdaten, um sich die Lebensmittel abzuholen. Als Faustregel gilt: Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde.

Bananen und eine Packung Toast, Schokoladen-Eier und Osterhasen oder 50 Teebeutel waren in Kiel diese Woche im Angebot. „Kiel schläft noch,“ sagt Ulrike Beck von foodsharing.de. Nur wenige Essenskörbe wechseln hier bislang die Besitzer. Um die Teilbörse bekannter zu machen, hat Baldrun Bente deshalb die Facebook-Seite „Foodsharing Kiel“ gegründet. Dort postet sie regelmäßig, wenn es in der Stadt neue Essenskörbe gibt. So hat sie auch Christiane Leptien kennengelernt.

Die 39-jährige Bauzeichnerin fand die Idee des Foodsharing spannend: „Ich hoffe, dass sich hierdurch vielleicht auch das Konsumverhalten ein bisschen ändert. Es ist ein Wahnsinn, was alles weggeschmissen wird.“ Das Tolle an der Plattform sei das gegenseitige Geben und Nehmen. „Ich bekomme zwar für mein Obst nicht sofort etwas wieder, aber irgendwann kriege ich etwas zurück,“ erklärt Baldrun Bente. Und durch das Teilen sei sie schon mit vielen netten Leuten in Kontakt gekommen.

Wer keine Fremden zu sich nach Hause einladen möchte, kann die Lebensmittel auch an einem sogenannten „Hotspot“ abgeben. Das sind gut erreichbare Orte, die als Übergabepunkt vorgeschlagen werden.In Kiel kann mittwochs am KIELtoffeln-Stand auf dem Mensamarkt an der Universität getauscht werden. In Berlin hat sich auf diese Weise sogar schon ein kleiner Umsonst-Laden entwickelt, wo Lebensmittel von Privatpersonen oder Geschäften kostenlos die Besitzer wechseln.

„Dort machen schon viele Geschäfte mit. Zum Beispiel Bäckereien, die ihre Brote und Brötchen sonst abends wegschmeißen müssten,“ sagt Ulrike Beck von foodsharing.de. Die Plattform wolle aber keine Konkurrenz zu den städtischen Tafeln sein, die Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützen, betont Beck. Es gebe soviel aussortiertes Essbares, da komme man sich nicht ins Gehege. Luise Jacoby von der Kieler Tafel sieht das ähnlich: „Angebrochene Lebensmittel von Privathaushalten dürfen wir ohnehin nicht annehmen.“ Außerdem richte sich die Tafel ja an ein ganz anderes Klientel.

Baldrun Bente glaubt, dass sich am Foodsharing besonders Menschen beteiligen, die bewusst Leben und auf Nachhaltigkeit achten. „Es ist ja nicht so, dass ich es mir nicht leisten kann, normal einkaufen zu gehen. Das Schöne ist, dass der Wert der Lebensmittel wieder mehr geschätzt wird. Jemand anderes freut sich über Dinge, die ich nicht mehr brauche.“

Die Idee für die Lebensmittel-Tauschbörse stammt vom Filmemacher Valentin Thurn, der mit seinem Dokumentarfilm „Taste the waste“ auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam machte, und Autor Stefan Kreutzberger („Die Essenvernichter“). Statt nur mit erhobenem Finger auf den Missstand hinzuweisen, wollten sie eine Alternative finden. Im Dezember vergangenen Jahres ging foodsharing.de dann online und hat inzwischen bereits rund 16000 aktive Nutzer.

Die Kieler Foodsharer wollen sich am 5. Mai ab 17 Uhr zum gemeinsamen Kochen treffen. Jeder soll mitbringen, was er übrig hat. Ein Ort steht bislang noch nicht fest. Interessierte können sich hierfür über die Facebook-Seite „Foodsharing Kiel“ anmelden.

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