Kiel. Aladin Özkalay zieht die Mundwinkel herunter. In der vergangenen Woche hatte er sein Auto am Wall geparkt. „Irgendwo muss ich es schließlich abstellen.“ Als der Logistik-Mann am Nachmittag zurückkehrte, war sein Gefährt abgeschleppt worden. „Das geht nicht, das ist nicht normal“, ärgert sich der 43-Jährige. „Ich bin hier, um Geld zu verdienen, nicht um es auszugeben.“ Inzwischen habe er Knöllchen im Wert von 80 Euro gesammelt – plus 96,80 Euro Abschleppgebühr und bis zu 35 Euro für die Ordnungswidrigkeit.
Geschichten wie diese kann hier fast jeder erzählen. Bernd Langenbeck (51) zum Beispiel, der für den künftigen Brandschutz sorgt. „Unwahrscheinlich sauer“ sei er auf die Verwaltung: Das Auto muss, sobald die Höchstparkdauer erreicht ist, umgeparkt werden – einfaches Nachlösen ist nicht erlaubt. „Dabei bauen wir doch zum Wohl der Stadt.“ Ein Elektromeister nickt. Täglich finde er mindestens drei Knöllchen an den Windschutzscheiben seiner Fahrzeuge. „Was reitet die im Rathaus? Selbst im dichtesten Hamburger Verkehr haben wir so etwas noch nicht erlebt. Wenn das so weitergeht, komme ich für jedes meiner drei Fahrzeuge auf Zusatzkosten von 500 Euro.“ Diese Summe versuche er, an den Auftraggeber weiterzuleiten.
Im Bauleitungsbüro der Firma Max Bögl kennt man den Ärger. „Sehr viele Kollegen haben in den vergangenen Wochen bereits ein Ticket kassiert“, bestätigt Polier Henning Jens. Die Nikolai-Gemeinde hatte einigen Handwerkern rund um die Kirche Platz angeboten. „Aber inzwischen sind hier 40 Gewerke tätig – das nimmt überhand.“
Die Stadt Berlin führt zum November eine Vignette ein, damit Handwerker in der Nähe ihrer Baustelle parken dürfen. „Bertha“ kostet für ein Jahr 200 Euro. „Es gibt in Kiel bereits eine solche gebührenpflichtige Ausnahme- und Sonderregelung für Handwerker“, stellt Rathaussprecher Tim Holborn fest. Man habe die Verkehrssituation rund um den „Nordlicht“-Neubau seit einiger Zeit aufmerksam beobachtet, doch nachdem Beschwerden eingingen, ahnde man die Verstöße nach einer Karenzzeit jetzt konsequent. „Es ist nicht Aufgabe der Stadt, für Bauvorhaben Parkflächen bereitzustellen.“
Matrix-Geschäftsführer Olaf Heinzmann verweist darauf, dass im öffentlichen Verkehrsraum Regeln gelten, an die sich jeder zu halten habe. Man stelle im Parkhaus an der Eggerstedtstraße ein Platzkontingent zur Verfügung. „Strafzettel sind wirklich kein Thema, von dem wir als Investor zwingend Kenntnis haben müssten. Jedem Handwerker bleibt es selbst überlassen, wo er sein Fahrzeug abstellt.“ Dass hierin ein Problem bestehen könnte, habe Matrix an anderen Standorten noch nicht erlebt.
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