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Nach Verbot in Kiel und Flensburg

Hells Angels wandern nach Lübeck ab

Von KN-online (Kieler Nachrichten)

Nach dem Verbot der Hells Angels in Flensburg und Kiel versucht die kriminelle Organisation jetzt offenbar gezielt, in Lübeck Fuß zu fassen. Ermittler der Polizei haben in den vergangenen Wochen umfangreiche Kenntnisse gesammelt. Jetzt wurde in der Hansestadt eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.
Foto: Bei der Biker-Demo vor zwei Wochen in Kiel waren auch Lübecker Rocker dabei.

Bei der Biker-Demo vor zwei Wochen in Kiel waren auch Lübecker Rocker dabei.

© KN

Kiel/Lübeck.   Bei Politik und Wirtschaft wächst die Sorge, dass sich der Schwerpunkt der organisierten Kriminalität von der Förde an die Trave verlagert.

Tatsächlich hatten Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und die Innenexperten der Lübecker Bürgerschaftsfraktionen im Frühjahr ein generelles Verbot gefordert, nachdem nur die Hells Angels in Kiel von den Behörden zwangsaufgelöst worden waren. Saxe hatte das Land auch aufgefordert, ein Verbot der Hells Angels Lübeck zu prüfen. Nur: Die Lübecker Rocker waren von der Polizei stets als „unproblematisch“ eingestuft worden. Eine Einschätzung, die die Ermittler jetzt korrigieren.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen die Hells Angels versuchen, in der Kneipen- und Türsteher-Szene in der Hansestadt Fuß zu fassen. Gesteuert werden die Aktionen demnach von Mitgliedern der verbotenen Kieler Gruppierung. In einer Diskothek haben sie bereits „den bisherigen Sicherheitsdienst ausgebootet und stellen nunmehr das Personal am Einlass“, sagte ein Ermittler gegenüber unserer Zeitung. Ein Sicherheitsdienst, der im Lübecker Raum zahlreiche Veranstaltungen betreut, ist mittlerweile fest in den Händen der Rocker. Für die Behörden ein Alarmsignal: „Wer an der Tür steht, der hat die Macht.“

Auch in der Kneipen- und Gastronomie-Szene zeigen die „Höllenengel“ für Gäste und Wirte auffällig stark Flagge. „In Kneipen und Billard-Cafés postieren Mitglieder der Hells Angels ihre Kutten gut sichtbar für andere Besucher in den Fenstern“, berichtet der Polizei-Insider. Ein klassisches Signal der Organisation, Claims abzustecken. Nachtclub-Besitzer in der Hansestadt hatten vor einem Jahr erstmals über „Besuche der Hells Angels“ berichtet.

Noch mehr Sorge bereitet den Behörden, dass die Hells Angels offenbar versuchen, in Lübeck neue Mitglieder zu gewinnen. „Es gibt alarmierende Tendenzen, dass die Rocker in der stark ausgeprägten Hooligan-Szene in Lübeck aktiv sind“, berichtet der Ermittler: „Die Szene ist dabei, sich zu formieren.“ Auffällig sei, wie schnell die neu Angeworbenen in der Hierarchie der Hells Angels aufsteigen. „Normalerweise stehen zu Beginn einer Mitgliedschaft zunächst mehrere Jahre als sogenannter Hangaround. Wir wissen aber von einer Reihe von Personen, die sehr schnell zu Prospects geworden sind und damit ungewöhnlich früh an der Schwelle zum Full Member stehen.“

Eine Entwicklung, die die Polizei stoppen will. Auf Nachfrage bestätigt Carola Aßmann von der Polizeidirektion Lübeck, dass es seit einigen Wochen eine Ermittlungsgruppe in der Hansestadt gebe. „Wir stimmen uns eng mit der Sonderkommission Rocker des Landeskriminalamtes in Kiel ab und tauschen Erkenntnisse aus.“ Weitere Einzelheiten will sie „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht nennen.

Gegründet wurden die Hells Angels in Lübeck erst Anfang 2010, während des schweren Konflikts der Organisation mit den Bandidos in Neumünster. In der Dänischburger Landstraße residieren die Rocker in einem weiß-rot getünchten Haus in Autobahnnähe. In der Nachbarschaft werden die Hells Angels als unauffällig beschrieben.

Doch wer sind die Hells Angels Lübeck? „An der Spitze des Charters steht gar kein Lübecker. ,Tüddel‘ wurde von den Kieler Angels eingesetzt, war zuvor Mitglied von den Hells Angels North End aus Alveslohe im Kreis Segeberg“, berichtet der Polizei-Insider. Dort war der heutige Präsident als „Sergeant of Arms“ für die Moral im Club verantwortlich. Ihm zur Seite standen zunächst vier Mitglieder der Hells Angels Kiel und der ehemalige Präsident der Red Devils Ostholstein, Inhaber eines Lübecker Tattoo-Shops. „Der Unterstützer-Club ist nach nur wenigen Monaten nahtlos in die Hells Angels Lübeck umformiert worden“, erklärt der Szenekenner. „Noch vor knapp drei Jahren war es der Rebel’s MC 1977, der auch in der Dänischburger Landstraße sein Clubheim hatte.“

Die ursprünglichen Mitglieder der Rebel’s seien klassische Familienväter und Geschäftsleute gewesen, die tatsächlich nur gemeinsam Motorrad fahren wollten. „Viele standen vor der Gretchenfrage. Sie wollten keine Hells Angels werden“, sagt der Polizist. Anders habe es bei den Red Devils Lübeck, ursprünglich als Avengers unterwegs, ausgesehen. „Da waren schon damals Kriminelle Mitglieder.“

 Im Lübecker Rathaus wächst die Sorge. „Wir wollen nicht, dass sich die Hells Angels in unserer Stadt ausbreiten“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Bürgermeister Saxe und Innensenator Bernd Möller (Grüne) wollen das Thema Rocker auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des städtischen Sicherheitsbeirates mit der Polizei setzen. Langentepe sagt: „Wir vertrauen darauf, dass die Polizei die Lage beobachtet und geeignete Schritte einleitet.“

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