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Jugendkriminalität in Kiel auf dem niedrigsten Stand

Immer weniger Taten und Täter

Von Jürgen Küppers

Angesichts der erst jüngst wieder für Schlagzeilen sorgenden Randale in der Bergstraße könnte sich der Eindruck einstellen: Es wird immer schlimmer mit der Jugendkriminalität in Kiel. Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall. So weist der Bericht des Amtes für Familie und Soziales zur Jugendkriminalität 2011 in fast allen Bereichen sinkende Zahlen aus.

Die Gewalt unter Jugendlichen ist in Kiel gesunken (Symbolfoto).

Kiel. Die wichtigste und gleichzeitig erfreulichste Zahl des Berichts: Der Anteil von Straftätern zwischen 14 und 21 Jahren an der Gesamtzahl junger Menschen dieser Altersgruppe in Kiel sank von 6,3 Prozent (2010) auf 5,6 (2011) – und damit auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Insgesamt 905 der 14- bis unter 21-Jährigen wurden 2011 straffällig, 10,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2008 zählte das Amt für Familie und Soziales noch fast 1200 junge Straftäter.

 Rückläufig bleiben die Zahlen auch bei einer Differenzierung nach Altersgruppen. Bei den 14- bis 18-Jährigen sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 12,7 Prozent, bei den Heranwachsenen (18 bis 21 Jahre) um 7,7 Prozent. Betrachtet man die verschiedenen Stadtteile, werden jedoch große Abweichungen vom Kieler Durchschnittswert 5,6 Prozent (Anteil von Straftätern an der Gesamtzahl junger Menschen dieser Altersgruppe) deutlich. So liegt der Wert in Mettenhof bei 8,2 (0,3 Prozentpunkte niedriger als 2010), in Gaarden gar bei 11,8 (0,7 Prozentpunkte mehr), in Kiel-Mitte hingegen bei 4,0 (1,2 Prozentpunkte weniger), in Kiel-Nord bei 3,7 (0,4 Prozentpunkte weniger).

 Deutlich zurück ging auch die Zahl der 2011 registrierten 2282 Straftaten – 339 oder 12,5 Prozent weniger als 2010. Noch drastischer ist der Rückgang im Vergleich zu 2008, damals zählte das Amt noch 4313 Straftaten. Aussagekräftig ist die Auswertung der Anteile bestimmter Straftaten an deren Gesamtzahl. Bei den Diebstahlsdelikten ist 2011 laut Bericht ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr von 31,5 auf 25,3 Prozent zu vermelden, ebenso bei Sachbeschädigungen (von 8,9 auf 5,6 Prozent). Der Anteil der Körperverletzungen ist 2011 zwar wieder von 15,6 auf 16,8 Prozent angestiegen, allerdings hat die Gesamtzahl an Körperverletzungsdelikten abgenommen. Die Anteile bei den Betrugsfällen (8,2 auf 10,2 Prozent) und Betäubungsmittelvergehen (1,0 auf 3,2 Prozent) sind ebenfalls leicht angestiegen.

 Als Erklärung für das positive Ergebnis der Statistik führt Amtsleiter Alfred Bornhalm vor allem die immer besser funktionierende Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik, Polizei und Schule in Kiel an. Positive Effekte erzielten dabei auch die Angebote des Amtes für Soziale Dienste von ambulanten Hilfen bis hin zu Einzelbetreuung von Jugendlichen oder die für sie zur Verfügung stehenden Wohngruppen.

 Die teilweise krassen Unterschiede in den Stadtteilen in Bezug auf straffällig gewordene Jugendliche sei auch künftig nicht mit mehr Aktivitäten seitens der Stadt einzudämmen. „Wir bündeln bereits einen enorm großen Anteil unserer Maßnahmen gerade in Gaarden und Mettenhof. Doch wir können die Strukturen dort nicht komplett aufbrechen, wenn fast zwei Drittel der Menschen von Hartz IV leben – teilweise über Generationen hinweg.“

 Auch die Zweifel mancher Bürger an sinkenden Jugendkriminalitätsraten angesichts immer wieder eskalierender Auseinandersetzungen wie zum Beispiel in der Bergstraße kann Bornhalm nachvollziehen. „Natürlich ist das auch eine Realität, die wir dringend verbessern müssen. Trotzdem zeigen die Zahlen, dass wir unter dem Strich auf einem guten Weg sind.“

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