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Ungelöste Kriminalfälle, Teil 5

Mord an Schülerin: Polizei hat DNA-Spur

Von Bastian Modrow

Der Mord an einem 15-jährigen Mädchen wird 2010 wieder neu aufgerollt. Nach 25 Jahren hat die Polizei DNA-Spuren des Täters gefunden. Über 2500 Männer mussten in der Folge eine Speichelprobe abgeben. Einen Treffer gab es nicht. Wie es weitergeht, ist unklar.
Foto: Der Tod der Schülerin sorgte für reichlich Gesprächsstoff. Mit diesem Plakat bat die Polizei mögliche Zeugen um Mithilfe.

Der Tod der Schülerin sorgte für reichlich Gesprächsstoff. Mit diesem Plakat bat die Polizei mögliche Zeugen um Mithilfe.

© Polizei

Kiel/Reinfeld. Das grausige Verbrechen in den Travewiesen erschütterte 1985 ganz Norddeutschland: Die damals 15-jährige Silke B. war ermordet in der Feldmark an der Verbindungsstraße zwischen Bad Oldesloe und Bad Segeberg gefunden worden. Ihr Peiniger hatte sie mit einem Messer tödlich verletzt. Zudem hatten die Gerichtsmediziner damals schwerste Kopfverletzungen an dem Leichnam festgestellt. 25 Jahre nach dem Tod des Mädchens hat die Polizei eine heiße Spur. Die Fahnder sind sicher, den Mörder überführen zu können. Spezialisten des Landeskriminalamtes in Kiel hatten 2010 eine männliche DNA-Spur gefunden – den genetischen Fingerabdruck des Täters.

Über die letzten Stunden des Opfers wissen die Ermittler nur wenig. Sicher ist: Am frühen Abend des 1. Juni 1985 hatte Silke B. ihr Elternhaus in Reinfeld verlassen. Ihr Ziel war das „Spektakel 85“ – ein Bandfestival an der Schule am Masurenweg in Bad Oldesloe. Ihr Fahrrad hatte die 15-Jährige am Bahnhof in Reinfeld abgestellt. Per Anhalter war sie anschließend in einem VW-Kleinbus für behinderte Kinder bis Blumendorf mitgefahren, um von dort aus an der Bundesstraße 75 zurück nach Bad Oldesloe zu laufen. Dort hatten Zeugen das 1,70 Meter große Mädchen mit den mittelblonden Haaren zum letzten Mal gesehen.

Der Leichnam wurde erst am Tag darauf gefunden, nachdem Spaziergänger an den Travewiesen eine schwarze Daunenjacke, eine weiße Socke und einen Make-up-Spiegel am Wegesrand entdeckt hatten. Die Obduktion ergab später, dass die Schülerin mutmaßlich zwischen 19 und 20 Uhr ums Leben kam. Beim Absuchen des Fundorts entdeckten Kriminalbeamte eine Blutlache, eine Schleifspur und eine Reihe von Zigarettenkippen. Schon damals war die Polizei überzeugt, dass sich das Opfer gegen ihren Peiniger massiv zur Wehr gesetzt hatte. Die Beamten gingen von einem Sexualdelikt aus, bei dem der Täter möglicherweise gestört worden war. Zwar meldeten sich etliche Zeugen. Die ersehnte heiße Spur war nicht dabei.

25 Jahre später ist die Kriminaltechnik deutlich weiter. Die Asservate von damals wurden Profilern und DNA-Experten des Landeskriminalamtes (LKA) übergeben, die ein Täterprofil erstellten und die wichtige DNA-Spur entschlüsselten. „Diese war bereits im Juni 2009 ermittelt worden und mit den genetischen Fingerabdrücken des privaten Umfelds des Opfers und den damals eingesetzten Beamten verglichen worden“, sagte Jan-Hendrik Wulff von der Polizeidirektion Lübeck.

2500 Männer wurden seit Winter 2010 nach und nach zum freiwilligen Speicheltest gebeten. Die Daten wurden dann mit der Spur vom Tatort verglichen. Zunächst wurden Personen aus dem Umland von Bad Oldesloe und Reinfeld angeschrieben, die damals zwischen 18 und 25 Jahre alt und im Besitz des Führerscheins waren, beziehungsweise die eine weiterführende oder allgemeinbildende Schule besucht haben. In drei weiteren Wellen wurden Briefe rund um Ahrensburg, in Lübeck und den Kreisen Segeberg und Ostholstein verschickt. Schließlich folgten Männer, die mittlerweile außerhalb der Region wohnen. Die Ladungen mit dem weitesten Weg gingen nach China und Neuseeland. Knapp 20 Männer weigerten sich, eine Probe abzugeben. Erst mit richterlicher Anordnung konnten auch ihre DNA-Tests mit den genetischen Täterspuren vergleichen werden. Den erhofften Treffer erzielten die ehrgeizigen Ermittler in den vergangenen Monaten allerdings nicht. Bleibt der Mörder des jungen Mädchens unentdeckt? „Mitnichten“, sagt die Polizei. Die Ermittlungen seien keineswegs abgeschlossen. Zurzeit prüfen die Fahnder des zuständigen Kommissariats 1 der Lübecker Polizei, welche Schritte unternommen werden sollen. Möglicherweise wird der Radius um den Tatort nach und nach weiter ausgeweitet.

In der nächsten Folge geht es um den Fall Barschel – und damit endet diese Serie.

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