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Missbrauchsprozess gegen Olympia-Trainer

Verfahren überraschend geplatzt


Der Missbrauchs-Prozess gegen einen Schwimmtrainer des deutschen Olympia-Teams ist überraschend geplatzt. Nun muss sich das mutmaßliche Opfer einem Glaubwürdigkeitstest stellen. Der Prozess wird 2013 neu aufgerollt.

Der Prozess gegen den Olympia-Trainer muss neu aufgerollt werden.

© pae

Kiel. Der Verteidigung ist ein Coup gelungen, der Missbrauchs-Prozess gegen einen Schwimmtrainer des deutschen Olympia-Teams ist geplatzt. Statt des für Freitag erwarteten Urteils muss sich das mutmaßliche Opfer — eine junge Sportlerin — einem Glaubwürdigkeitsgutachten unterziehen. Der Prozess muss nun neu aufgerollt werden. Das Kieler Amtsgericht gab am zehnten Verhandlungstag dem entscheidenden Beweisantrag der Verteidigung statt.

„Es geht erst nächstes Jahr von neuem los“, sagt Gerichtssprecher Hans-Günter Meenke. Die Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme ab. Bei der Verkündung des Beschlusses war die Öffentlichkeit wie auch schon bei der gesamten Beweisaufnahme ausgeschlossen.

Die Erleichterung über den Erfolg stand der Kieler Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki ins Gesicht geschrieben, als sie im Gerichtsflur die Überraschung verkündete. „Das Gericht hat endlich unserem Beweisantrag stattgegeben, ein aussagepsychologisches Gutachten zur Zeugin einzuholen“, sagte sie und fügte hinzu: „Jetzt ist die Hauptverhandlung zu Ende, jetzt ist fertig.“ Dann entschwand sie mit Verteidiger-Kollege Kai Dupre sowie dem Angeklagten und dessen Mutter. Fragen von Journalisten an die beiden wimmelte sie ab. Wie es hieß, soll ein Kieler Sachverständiger die Glaubwürdigkeit der Zeugin einschätzen.

Laut Anklage soll sich der Schwimm-Trainer insgesamt 18 Mal an einer jungen Sportlerin vergangenen haben, die er seit dem zwölften Lebensjahr trainierte. Vier Jahre später soll er die Jugendliche das erste Mal bei einem Kreta-Urlaub 2004 missbraucht haben, zuletzt 2006. Staatsanwältin Veronika Stoltz-Uhlig listete die schweren Vorwürfe zum Prozessstart am 14. August detailliert auf. Am zweiten Verhandlungstag zog der Angeklagte Marberth-Kubicki hinzu. Seither betonte sie immer wieder: „Wir verfolgen eine Freispruchs-Verteidigung.“

Für die Öffentlichkeit war nach Verlesung der Anklage erst einmal Schluss — sie wurde zum Schutz der Privatsphäre von Angeklagtem und mutmaßlichem Opfer bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen. Die junge Frau und zehn weitere Zeugen, darunter zwei Freundinnen und ihr Vater, sagten bisher aus. Die junge Sportlerin selbst wurde über viele Stunden zu den Anklagevorwürfen vernommen. Sie hatte vor den Blicken der Öffentlichkeit geschützt über Nebeneingänge das Gericht und den Verhandlungssaal betreten und wieder verlassen.

Während der Verhandlungstage bekamen Prozessbeobachter auf dem Gerichtsflur zum Fortgang des Verfahrens nur hin und wieder Hinweise - vor allem, wenn es weitere Beweisanträge der Verteidigung gab. Während das Schöffengericht unter Juliane Schroeter darüber beriet, zogen sich Verteidigung, Angeklagter und dessen Mutter in eine der Sitzgruppen im Flur zurück — zu Taktik-Besprechungen.

Nicht nur für den Angeklagten bleibt jetzt der massive Druck des Verfahrens bestehen. Auch das mutmaßliche Opfer dürfte unter der neuerlichen Belastung massiv leiden. Für die junge Frau zieht sich die Sache seit Jahren hin. Sie hatte 2009 Anzeige erstattet. 2011 schließlich erhob die Staatsanwaltschaft Anklage am Amtsgericht. Dem Trainer drohen bei einem Schuldspruch bis zu vier Jahren Haft. „Selbst bei einem Freispruch ist die berufliche Zukunft meines Mandanten ruiniert“, hatte Verteidiger Dupre bereits zu Prozessbeginn erklärt.

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