Kiel. „Ich wurde angebrüllt, die Hände zu heben und ruhig zu bleiben“, sagte die 42-Jährige mittags noch total schockiert. Das Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte sich bei der Razzia gegen die Hells Angels in der Tür geirrt.
„Die Vermummten standen in meinem Schlafzimmer um mein Bett herum und haben mich dann gefragt, wo Gutsche ist. Der wohnt im Keller, habe ich geantwortet.“ Die Polizisten hätten sich entschuldigt und seien gleich nach unten gestürmt. „Dann habe ich unten Lärm gehört, da haben sie wohl auch die Tür eingeschlagen.“ Nach Informationen der Kieler Nachrichten hatten es die Polizisten auf den Kieler NPD-Ratsherrn Hermann Gutsche abgesehen, der im selben Haus im untersten Geschoss lebt. Ein Sprecher der Polizei wollte das weder bestätigen noch dementieren.
Nach Auskunft von Tanja Ritter war das NPD-Mitglied aber nicht in seiner Kellerwohnung. Später seien Beamte zusammen mit Gutsche aufgetaucht und mit ihm in dessen Wohnung verschwunden. Ein möglicher Grund für die Durchsuchung ist eine Verbindung zwischen Hells Angels und rechter Szene in Bezug auf Waffenhandel. Mit in ihrer Wohnung sei auch ein Staatsanwalt gewesen, an dessen Namen sich Tanja Ritter nicht erinnern kann. Sie sei von ihm darüber aufgeklärt worden, dass sie Schmerzensgeld beantragen könne. Drei Minuten dauerte der überfallartige Spuk, dann war Tanja Ritter wieder allein in ihrer Wohnung und kochte sich erst einmal einen Kaffee. „Ich war so verdattert.“ Der Sohn, mit dem sie mitten in der Nacht telefonierte, stand um kurz nach fünf vor der Tür, „um mich zu beruhigen“. Wenig später tauchte ein Sanitäter auf. „Der hat meinen Puls gefühlt, aber der war in Ordnung.“ Die Feuerwehr hängte die Wohnungstür wieder notdürftig ein.
Tanja Ritter fuhr zu ihrer Mutter nach Hassee. „Dann bin ich zum Arzt gegangen und habe mich für den Tag krankschreiben lassen.“ Ihr Arbeitgeber, ein Friseurmeister in Nortorf, habe volles Verständnis gehabt. Sie sagte gestern: „Wenn man denkt, so etwas passiert nur in US-Krimiserien, hat man sich getäuscht. Das habe ich selbst erlebt und kann darauf ein weiteres Mal gerne verzichten. So etwas sehe ich lieber im Film.“
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