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Neumünster „Ohne uns geht der Vorhang nicht auf“
Lokales Neumünster „Ohne uns geht der Vorhang nicht auf“
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17:07 30.12.2018
Von Susanne Wittorf
Kommandozentrale: Inspizientin Karin Parton-Löhndorf an ihrem Arbeitsplatz im Studiotheater der Niederdeutschen Bühne Neumünster. Quelle: Susanne Wittorf
Neumünster

Als ehrenamtliche Inspizientin sorgt sie seit 1968 für einen reibungslosen Ablauf, wenn es heißt: „Vorhang auf, die Vorstellung kann beginnen.“
„Die NBN kann sich glücklich schätzen, Karin Parton in ihren Reihen zu haben“, sagt Niels Münz. Als „äußerst zuverlässig mit einer klaren Vorstellung für pragmatische Lösungen und stets die Ruhe bewahrend“, beschreibt der Bühnenleiter das langjährige Mitglied. Diese Talente beweist sie während der Vorstellungen und den wichtigen Probenprozessen. In den Probenwochen vereinbart sie mit den Darstellern Zeichen, die später für eine reibungslosen Durchlauf sorgen. Karin Parton besorgt die Requisiten und achtet darauf, dass alles rechtzeitig am richtigen Ort platziert ist.

Auf der Suche nach günstigen Artikeln sei sie früher kreuz und quer durch die Stadt gelaufen, erzählt die 71-Jährige. Heute mache das Internet vieles einfacher. „Vieles, aber nicht alles“, betont die Inspizientin und erzählt von ihrem Improvisationstalent, als eine übergroße Deckelhaube gebraucht wurde. Nirgends war ein Modell mit passenden Maßen aufzutreiben. Karin Parton erinnerte sich an ihre große Tupperschüssel, lackierte sie kurzerhand silberfarben und montierte einen Henkel – fertig. Die „Schüssel“ hat es als Leihgabe bereits auf die Niederdeutsche Bühne Lübeck geschafft. „Wir Schwarzen, sprich die Maskenbildner, die Lichttechniker, die Kostümbildner und die Souffleuse, treten zwar nicht ins Rampenlicht“, sagt die Inspizientin, „aber ohne uns geht der Vorhang nicht auf.“

Der Spaß an ihrer Arbeit ist über all die Jahre geblieben. Als besonderes Highlight behält die Neumünsteranerin eine Koproduktion der NBN mit der Hamburger Staatsoper in Erinnerung. „Helmut Schmidt hatte sich 1978, zu seinem 60. Geburtstag, eine plattdeutsche Inszenierung von Carl Maria von Webers ,Freischütz’ gewünscht“, erinnert sich Karin Parton. Nach dem parodistischen Vorlage von Michael Leinert, der als Gastregisseur bereits für die NBN gearbeitet hatte, schrieb Hanne Heinz die plattdeutsche Übersetzung, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg spielte die Musik, die NBN-Mitglieder Klaus Reumann, Lothar Heinz, Waltraud Brommann und Hans Münz standen auf der Bühne und Inspizientin Parton dahinter. „Dass man in einer Oper dermaßen viel Spaß haben kann, hätte niemand gedacht“, freut sie sich noch heute. „Helmut Schmidt war begeistert, und wir kamen bei den Proben sogar in den Genuss, René Kollo in der Kantine der Staatsoper zu treffen.“

Bis vor zwei Jahren gehörten Lichtzeichen und das Abspielen von Musik zu den Aufgaben der Inspizientin. „Da musste man schon sehr aufmerksam sein“, erinnert sich Karin Parton. Einmal, während eines Gastspieles in Lübeck, vergaß sie die Stopptaste des Kassettenrekorders zu drücken. Dreimal versuchte sie das richtige Musikstück zu finden – vergebens. „Auf der Bühne hat Waltraud Brommann toll reagiert, hinter der Bühne bin ich ganz schön in Stress gekommen“, sagt die 71-Jährige. Das sei für Karin eher untypisch, wirft Niels Münz ein. „Bei großen Projekten, wie den Silvesterstücken, fragen Regisseure explizit, ob Karin für sie zur Verfügung steht“, sagt der Bühnenleiter.
In den Genuss ihres umsichtigen Handelns kommen Besucher und Schauspieler auch heute Abend, wenn es im Theater in der Stadthalle heißt: „Vorhang auf, die Silvesterpremiere ‚Loop doch nich jümmers weg‘ kann beginnen.“

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