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Neumünster 90 Jahre pralle Lebensgeschichte
Lokales Neumünster 90 Jahre pralle Lebensgeschichte
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16:12 10.04.2013
Von Sabine Nitschke
Freut sich schon auf die neue Gartensaison im Tungendorfer Dahlienweg: Auch mit 90 Jahren hat Herbert Möller noch Lust auf eigene Grün. Quelle: sn
Neumünster

Dessen neun Jahrzehnte haben pralle Lebensgeschichte zu bieten. Eigentlich hätte er nach der Matura an der Technischen Hochschule Prag studieren und den elterlichen Hof im sudetendeutschen Maffersdorf übernehmen sollen. Es kam anders. Der Kriegsfreiwillige Möller konnte Stalingrad verlassen, bevor sich der Kessel schloss, entkam dem Kurischen Kessel, kam als britischer Kriegsgefangener nach Neumünster. Sein erster Eindruck: „Hier möchtest Du nicht begraben sein.“

 Die Stadt sollte seine neue Heimat werden. Mit der Baugenossenschaft Eigener Herd baute er für seine Carola und die Familie das Haus im Tungendorfer Dahlienweg, kam über einen Nachbarn als Chemiewerker zur Phrix, war 20 Jahre lang Assistent der Geschäftsführung. Als sich 1971 Eigener Herd, Patria Nova und Genossenschaft Reichsbund zur Heimbau SH (später BIG) zusammenschlossen, wurde Möller bis zu seiner Pensionierung Ende der 80er Jahre hauptamtlicher Vorstand.

 Dann brauchte der DRK-Kreisverband einen neuen Geschäftsführer. „Könntest Du das nicht machen?“, fragte der Kreisvorsitzende Herbert Gerisch, der sich längst Carolas Einverständnis eingeholt hatte. Möller machte. Bis Ende 2000 wurde das psychiatrische Behandlungszentrum Hahnknüll saniert, erweitert, mutierte zur eigenen Gesellschaft. Und Möller „machte“ nochmals, steuerte das DRK Neumünster nach der Audi-Affäre auf neuen Kurs. Im Deutschen Siedlerbund brachte er es als Schatzmeister bis in den Bundesvorstand, wo er nach eigenen Worten ebenfalls „aufräumen“ musste. 1997 zog er sich aus diesem Ehrenamt zurück.

 Die Politik erlebte Möller zunächst im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, ab 1959 in der CDU. 1962 wurde er erstmals in den Rat gewählt. Der damalige Stadtpräsident Max Johannsen wurde auf den jungen Mann aufmerksam. Und verriet ihm bei einer Tasse Kaffee: „Merken Sie sich eines, Neumünster wird von Tungendorf aus regiert.“ 1964 wurde Möller Fraktionsvorsitzender, blieb es bis 1986.

 Die wichtigsten Weichenstellungen in jenen Jahren? „1970 die Eingemeindung vor allem von Einfeld und Gadeland. Damit wurde Neumünsters Fläche verdoppelt. Die Grundvoraussetzung für Gewerbeansiedlung.“ Außerdem: Bau der Stadthalle, Erweiterung des Rathauses, Neubau der Volksbank hinter der alten Kaiserhof-Fassade, Ausweisung von Ruthenberg als Baugebiet, die Wohnbebauung am Kleinflecken auf dem Gelände der ehemaligen Wiemann-Fabrik, das Gymnasium für Einfeld, das Industriegebiet Süd, die Schließung des Inneren Rings am Stadtwald.

 Möller, von 1982 bis 1991 auch CDU-Kreisvorsitzender, hat „nie bereut, das alles gemacht“ zu haben. Und ganz wichtig: „Zeit für die Familie, zu der heute zwei Enkel und zwei Urenkel gehören, und Urlaube ist auch immer gewesen.“

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