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Frauentag nicht überall erwünscht

DOC Neumünster erteilt Platzverweis Frauentag nicht überall erwünscht

Gleichbezahlung und Gleichbehandlung von Frauen in der Arbeitswelt – diese Anliegen des Freitag begangenen Weltfrauentags interessierten auf dem Wochenmarkt Einkäufer und Standbetreiber in Neumünster nur mittelmäßig. Im Designer Outlet Center (DOC) dagegen führte die traditionelle Rosenverteil-Aktion der Gewerkschaft ver.di zum Platzverweis.

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Mussten beim Designer Outlet Center vor der Tür bleiben: Gerwerkschafterinnen von ver.di zum durften zum Wetlfrauentag keine Rosen auf dem Privatgelände verteilen.

Quelle: König

Neumünster. Für Torsten Wiegelmann, DOC-Marketingleiter und für Sabine Almut Auerbach, Bezirksgeschäftsführerin der Gewerkschaft ver.di, brachte der 8. März 2013 einen Erkenntnisgewinn. Mit Ver.di-Gewerkschafterinnen wollte sie ihre traditionelle Weltfrauentagsaktion – Rosen und Info-Blätter mit Beitrittserklärungen verteilen – von der Innenstadt ins Einkaufsdorf verlegen. Dort stieß sie auf unerwarteten Widerstand.

 Die Gewerkschaft hatte die Aktion nicht beim Centermanagement angemeldet. Bei den Geschäften in der Innenstadt sei das nicht nötig, so Auerbach. Die Folge: Höflich, aber bestimmt, verwies Wiegelmann mit mehreren Sicherheitsmännern an seiner Seite die wehrhaften Frauen samt 250 Rosen des Geländes. Sein Argument: „Ich habe hier Hausrecht, Sie befinden sich auf Privatbesitz“, kollidierte mit Auerbachs Auslegung des Betriebsverfassungsgesetzes: „Wenn in einer Firma ein Gewerkschaftsmitglied arbeitet, hat die Gewerkschaft Zutrittsrecht.“ Das Zutrittsverbot kommentierten die Damen mit: „Dann kaufen wir auch nicht ein.“

 Wiegelmann erläuterte das rigorose Vorgehen so: Es gehöre zu den Unternehmensprinzipien, Kunden ein möglichst ungestörtes Einkaufserlebnis zu ermöglichen. „Wir bekommen jede Woche eine Anfrage von Vereinen und Verbänden.“ In einzelnen Fällen werde der Aufenthalt erlaubt, politische Themen werden jedoch aus dem DOC herausgehalten.

 „Es gibt die Gleichberechtigung schon“, sagte Marktstand-Betreiberin Dorothea Renken (53) auf dem Großflecken: Früher hätten Mädchen nicht die gleichen Berufe wie Jungs ergreifen dürfen, heute sei das anders. Es gebe auch Kfz-Mechatronikerinnen und Fleischerinnen. „Solche Tage bringen überhaupt nichts“, sagte Standnachbarin Andrea Abraham (53): „Ob wir Weltfrauentag haben oder nicht, ich muss trotzdem meinem Mann das Bier bringen und den Kaffee selber kochen.“

 „Frauen sollten den gleichen Lohn bekommen wie Männer“, fand Nico Rahlf (37) aus Padenstedt. „Ich glaub nicht, dass gegen Ungleichbehandlung ein Weltfrauentag hilft. Das war schon immer so, das wird auch so bleiben.“ Für einen Weltmännertag sprach sich Charlene Heuchert aus. „Ich finde, dass Männer fast benachteiligt werden“, sagt die 27-Jährige mit Blick auf die Anzahl von Jungs auf dem Gymnasium und männlichen Studenten. Um Gleichbezahlung zu fordern, sei allerdings der Weltfrauentag weiterhin das beste Mittel.

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