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Neumünster Finanznot als Dauerzustand
Lokales Neumünster Finanznot als Dauerzustand
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11:50 28.11.2017
Von Thorsten Geil
Im Cafe Jerusalem gibt es immer einen heißen Kaffee, eine warme Mahlzeit und andere Menschen mit offenen Augen und Ohren. Quelle: Uwe Paesler
Neumünster

Das Café „Jerusalem“ in Neumünster ist ein Schutzraum für Obdachlose und andere Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Viele ehrenamtliche Helfer sind hier aktiv, aber die Helfer sind jetzt selber in Not. Es fehlt einfach Geld, um den Betrieb langfristig zu sichern.

Der Kontrast könnte dabei nicht größer sein. Auf der einen Seite der Bahnhofstraße von Neumünster steht das unscheinbare Häuschen des Cafés „Jerusalem“, auf der anderen Seite der Konsumtempel Holsten-Galerie. Es sind zwei verschiedene Welten, die sich nur sehr selten berühren. Dabei ist jeder Besucher im Café gern gesehen, nicht nur Obdachlose, Drogenabhängige und Abgehängte. Und man kann sich auch hineintrauen, denn das Café ist gemütlich, sauber und sicher; es herrscht eine angenehme Atmosphäre. „Wir möchten hier einen respektvollen Umgangston haben. Mancher hat hier erst gelernt, dass man mit Freundlichkeit weiterkommt“, sagt Stefan Böhm. Es schläft auch mal jemand im Rausch mit dem Kopf auf dem Tisch, aber solange er sich benimmt, wird das akzeptiert. „Lieber stoned bei uns im Café als bekifft in der Gosse“, sagt Böhm lächelnd.

Im „Jerusalem“ gibt es montags bis freitags Frühstück, Mittagessen und nachmittags Kaffee und Kuchen. Donnerstags werden Fresspakete fürs Wochenende ausgegeben. Die Gäste können duschen und ihre Wäsche waschen. Einmal im Monat kommt das Gesundheitsamt zur Sprechstunde, regelmäßig ein Zahnarzt und die Fußpflege. Alles ist kostenlos. Da das Café von dem Verein für Missionarische Sozialarbeit der Evangelischen Allianz Neumünster getragen wird, bietet Andreas Böhm täglich eine Andacht an, in der über die Bibel und den Alltag gesprochen wird. Böhm: „Wir teilen unser Leben mit unseren Gästen, damit ihr eigenes Leben gelingt. Wir nehmen sie wahr, sprechen mit ihnen, hören ihnen zu, helfen bei Alltagssorgen. Wir sagen ihnen: Das Leben ist schön, und es geht auch ohne Drogen – und noch besser geht es mit Gott.“ Wer das hören möchte, darf zuhören, aber niemand muss.

Für die zurzeit etwa 110 regelmäßigen Gäste ist das Café ein Segen. Seit die Neumünsteraner Tafel einen Aufnahmestopp hat, ist es quasi die einzige Möglichkeit, um kostenlos etwas zu essen zu bekommen. Etwa 22.000 Mahlzeiten werden hier pro Jahr zubereitet und ausgegeben. Für Wohnungslose ist es im Winter tagsüber fast der einzige warme Raum in der Stadt, aus dem sie nicht hinausfliegen.

Ob das auch im kommenden Winter noch so ist, ist derzeit nicht gesichert: Das Problem von Andreas Böhm und seinen vier Mitarbeitern sind die Finanzen. Benötigt werden pro Jahr 120000 Euro aus Spenden, aber seit Jahren kommen weniger an. Und derzeit weiß Böhm nicht, ob er im neuen Jahr die Strom- und Gasrechnung bezahlen kann.  „Aber wir jammern nicht, wir machen einfach weiter“, sagt sagt Andreas Böhm. „Irgendwie geht es immer weiter.“

So können Sie spenden:

Spenden

Verwendungszweck: Café Jerusalem
KN hilft, Förde Sparkasse, IBAN DE05 2105 0170 1400 2620 00

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