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Nord-Ostsee-Kanal Bürgerinitiative plant Anti-Atom-Camp
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Bürgerinitiative plant Anti-Atom-Camp
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00:20 29.07.2014
Von Frank Behling
Atomtransport auf der Förde: In den blauen Containern auf dem Vorschiff des russischen Frachters „Kapitan Yakuvlev“ befindet sich Uranhexaflroid. Das Schiff pendelt regelmäßig zwischen Häfen in Westeuropa und Russland. Quelle: FB

Jüngster Auslöser der Proteste war der Transport von 20 Containern voll Uranerzkonzentrat mit dem russischen Frachter „Sheksna“ durch den Nord-Ostsee-Kanal Anfang Juli. Bei dem Schiff handelte es sich nicht etwa um ein Spezialschiffe für den Transport von Gefahrgütern, sondern um ein 1994 gebautes Küstenmotorschiff für den Transport von Stück- und Massengütern. Während britische und schwedische Betreiber von Kraftwerken inzwischen sogar speziell umgerüstete und sogar extra dafür gebaute Spezialschiffe einsetzen, erfolgen die Transporte russischer Lieferungen ausschließlich mit normalen Handelsschiffen.

 „Wir sind gegen jede Form von Atomtransporten. Wenn sie aber schon gemacht werden, sollten sie zumindest mit dafür geeigneten Schiffen erfolgen“, sagt Irene Thesing von der Bürgerinitiative Kiel gegen Atomanlagen. Durch das Feuer auf dem Frachter „Atlantic Cartier“ in Hamburg erhalte die Initiative wieder Zulauf.

 Die aktuellen Transporte nahm der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer (Piraten) zum Anlass für eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. „Ich wollte wissen, wie es um die Sicherheit bestellt ist“, sagt der Abgeordnete. Das Ergebnis hat ihn schockiert. Weder die Feuerwehren noch die Landesregierung werden im Vorwege über anstehende Transporte unterrichtet. Da radioaktive Güter der IMO-Klasse 7 als normale Gefahrgüter geführt werden, erhält nur die Wasserschutzpolizei Kenntnis. Bei größeren Mengen, etwa bei Brennstäben, erteilt das Bundesamt für Strahlenschutz die Genehmigung für den Transport auf dem Seeweg in deutschen Hoheitsgewässer. Eine Informationspflicht gemäß des Gefahrgutbeförderungsgesetzes besteht nicht. Die Feuerwehr wird jedoch erst dann informiert, wenn es zu einem Einsatz kommt. „Hier muss dringend mehr Vorsorge betrieben werden“, fordert Breyer.

 Informiert ist aber das Havariekommando in Cuxhaven. „Wir bekommen die Informationen über die Ladung durch die zentrale Meldestelle für Gefahrgüter und wissen so im Notfall, was an Bord der Schiffe wo gestaut ist“, sagt Ulrike Windhövel vom Havariekommando.

 Die Transporte durch den Kanal kann die Landesregierung weder einschränken noch verbieten, da dies einzig in den Zuständigkeit des Bundes falle, so die Antwort der Landesregierung. Konkrete Transportmengen werden nicht gespeichert. „Wir erfassen keine einzelnen Gefahrgutarten“, sagt Helmut Külsen von der Generaldirektion Schifffahrt. Die Kontrolle übernimmt die Wasserschutzpolizei. Dabei wurden bereits mehrfach Mängel festgestellt, besonders bei Schiffen aus Russland. So mussten jetzt von den 20 Containern an Bord der „Sheksna“ vier in Hamburg verbleiben, da es für sie keine erforderlichen Papiere gab. Im März beanstandeten die Beamten bei einem Schiff im Kanal die Abstände der Container. Die für den Atomtransport wichtige Kritikalitätssicherheitskennzahl war unterschritten worden. Die Aufsichtsbehörde erlaubte dennoch die Weiterfahrt in den nächsten Hafen. „Das ist blanker Hohn. Wenn sogar Kritikalitätssicherheitsabstände verletzt werden, zeigt das nur eins: Die Atomtransporte müssen sofort aufhören“, sagt Thorge Ott von der Bürgerinitiative Kiel gegen Atomanlagen.

 Bei der Kieler Feuerwehr ist man zuversichtlich, im Notfall gerüstet zu sein. So habe man eine spezielle Ausbildung und Ausstattung für Schiffsunfälle bekommen, sagt Amtsleiter Thomas Hinz. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal havarierte zuletzt im März 2001 der russische Frachter „Bugulma“. Das Schiff hatte 26 Brennelemente in Containern an Deck stehen, als es im Nebel bei Königsförde mit einem anderen Schiff zusammenstieß und abgeschleppt werden musste.

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