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Nord-Ostsee-Kanal Frachter kracht in Schleusentor
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Frachter kracht in Schleusentor
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20:31 24.11.2014
Von Frank Behling
Die "Vectis Eagle" hat am Montagmittag ein Schleusentor in Kiel-Holtenau gerammt. Quelle: Frank Behling
Kiel

„Da war nichts zu machen. Das Wasser schoss sogar aus den Tanks heraus. Uns war sofort klar, dass der Schaden größer ist“, sagt Thomas Kziensik, der Vorhandwerker auf der Schleuse. Es wurde Zeuge des Aufpralls. „Wir waren eh gerade hier“, sagt er. Am Wochenende hatte ein Frachter nur wenige Meter weiter ein Baugerüst gerammt.

Der Schaden, den die „Vectis Eagle“ anrichtete, ist einer der größten der vergangenen Jahre – mehrere Hunderttausend Euro mindestens. Die genaue Begutachtung erfolgt nach dem Ausbau des Schleusentores. Erkennbar ist aber, dass die wichtigen Teile des Tores erneuert werden müssen. Besonders ärgerlich: „Das Tor war gerade aus der Überholung gekommen und erst vor drei Wochen eingebaut worden“, sagte Matthias Visser, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau. Glück hatten die Techniker nur mit der Uhrzeit. Innerhalb weniger Minuten war die gesamte Mannschaft vor Ort. Bereits um 14 Uhr begann das Aufschwimmen des Tores. Bis spätestens morgen früh soll nun das gerade ausgebaute Reserve-Tor wieder eingebaut werden. Dieses Tor ist aber auch angeschlagen. Das zweite Reservetor liegt derzeit bei der Werft ADMK in Gaarden im Dock.

Die Reparatur des beschädigten Schleusentores in Kiel-Holtenau hat begonnen.

Der schwere Schaden ist auch auf den neuartigen „Groot Cross“-Bug der 2012 in China gebauten „Vectis Eagle“ zurückzuführen. Dieser Bug mit dem senkrechten Steven wurde in Leek in den Niederlanden entwickelt und mindert den Strömungswiderstand. Beim Aufprall bohrte er sich aber tief in das Schleusentor.

Auslöser der Havarie war ein Defekt am Propeller, der verstellbare Flügel hat. „Die Umsteuerung hat im entscheidenden Moment versagt“, sagte der Lotse nach dem Unglück. Der Maschinentelegraf stand zwar auf volle Kraft zurück, der Propeller reagierte aber nicht. Das Unglück kam für alle auf dem Schiff völlig überraschend. Bei der Fahrt in die Schleuse hatten weder der Kieler MaK-Motor noch der Propeller Auffälligkeiten gezeigt. Die Wasserschutzpolizei verhängte ein Auslaufverbot, und der Eigner ließ das Schiff von zwei Schleppern in den Ostuferhafen schleppen, wo die Untersuchung der Steuerung erfolgt.

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