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Nord-Ostsee-Kanal Sperrung wird zum Teil aufgehoben
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Sperrung wird zum Teil aufgehoben
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12:29 31.10.2013
Von Frank Behling
Der Frachter „Siderfly“ wurde durch die Kollisionsschäden vom Versicherer zum Totalverlust erklärt, wie aus dem Umfeld der Berger zu erfahren war. Quelle: FB
Brunsbüttel

Durch das Anbringen zusätzlicher Poller und mehrere 46 Millimeter starker Stahltrossen soll das 100 Meter lange Schiff von vier schweren Baumaschinen gehalten werden. Für diese Bulldozer wurden in die Böschung auf der Nordseite Schneisen geschlagen und Platten ausgelegt.  Mit der Kraft der vier schweren Kettenfahrzeuge soll die Arbeit der seit Montag eingesetzten Schlepper übernommen werden, die den leckgeschlagenen Havaristen jetzt drei Tage lang gegen ein Abrutschen an der Böschung gesichert haben.

Nach der Beurteilung wurde die Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals in Teilen aufgehoben. Wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Donnerstag mitteilte, können seit 11.30 Uhr wieder Schiffe der Verkehrsgruppe 1 bis 3 den Kanal passieren. Das sind Schiffe von einer Länge bis zu 140 Metern und einer Breite von bis zu 19 Metern. Zuerst soll der Frachter „Mittelplate“ an dem Havaristen vorbeifahren. Die 85 Meter lange „Mittelplate“ fuhr in der Unglücksnacht direkt hinter der „Siderfly“ und liegt seitdem in der Ausweichstelle Kudensee an den Dalben in Warteposition.

Vor der Entscheidung zur Verkehrsfreigabe musste aber auch der für den Umweltschutz zuständige Landesbetrieb Küstenschutz noch die an der Fährstelle Kudensee quer über den Kanal gelegte Ölsperre öffnen und verlegen. Die Sperre wird dann möglicherweise um den Havaristen und die Bergungsstelle herumgelegt. In der „Siderfly“ ist immer noch eine nicht genau bekannte Menge Marine-Gasöl. 

Nach einer Anlaufphase mit kleineren Schiffen könnte später auch die Freigabe des Kanals für die Schiffe der größeren Verkehrsgruppen 4 bis 6 erfolgen. Das Fahrwasser ist südlich des Havaristen breit genug, da die „Siderfly“ im Bereich der gut ausgebauten Kanalstrecke liegt. Der Nord-Ostsee-Kanal ist dort 160 Meter breit, das Fahrwasser (Sohle) 90 Meter. Die maximale Breite für Schiffe auf dem Kanal beträgt dagegen nur 32,2 Meter.

An dem Havaristen gehen die Berger der US Firma TT Salvage aus Houston/Texas zusammen mit den deutschen Partnern von Bugsier und Schramm am Donnerstag an das Leichtern der Ladung. Aus den beiden Laderäumen sollen die Reste der noch vorhandenen Düngemittelladung (Amoniumnitrat/Harnstoff) mit dem zur Unglücksstelle geholten Schwimmkran „Wal“ umgeladen werden.

Zur besseren Fixierung der „Siderfly“  wird auch das Rammen von Stahlpfählen geprüft. Mit ihnen lässt sich das Schiff auch ohne Schlepper und Bulldozer an der Böschung halten. Danach sollen Taucher ans Werk gehen und  beide Lecks in der Bordwand abdichten. Das eine Leck hat eine Größe von drei mal fünf Metern, das zweite Leck wurde nach Auswertung der von einer Unterwasserdrohne gemachten Bilder mit fünf mal sieben Meter beziffert. Diese Lecks müssen erst geschlossen werden, bevor der Havarist aufschwimmen kann. Die Arbeiten der Taucher können je nach Witterungsbedingungen und Komplikationen zwei bis drei Wochen dauern.

Der Frachter „Siderfly“ wurde durch die Kollisionsschäden vom Versicherer zum Totalverlust erklärt, wie aus dem Umfeld der Berger zu erfahren war. Der 1985 auf der Elsflether Werft als „Borgfeld“ gebaute und 1990 einmal verlängerte Frachter ist in dem karibischen Inselstaat St. Vincent and the Grenadines registriert und gehört seit 13 Jahren einer Reederei aus Estland. Die Schäden an dem  Schiff sind so stark, dass sie den Zeitwert überschreiten. Deshalb wird der Frachter nach der Bergung möglicherweise direkt zu einer Abwrackwerft überführt.

Der Kollisionsgegner der „Siderfly“, der niederländische Gastanker „Coral Ivory“, hat Brunsbüttel unterdessen wieder verlassen. Nach Abschluss der Untersuchung musste an dem Wulstbug des 118 Meter langen Tankers ein kleiner Schaden abgedichtet werden. Danach konnte das mit Ammoniak beladene Schiff seine Reise über Skagen nach Finnland fortsetzen.

Die „Coral Ivory“ ist möglicherweise der Verursacher der schweren Havarie. Wie die Auswertung der Daten gezeigt hat, hat der Tanker beim Auslaufen aus einem Hafenbecken in den Kanal, die Vorfahrt der „Siderfly“ missachtet. Wie weit der starke Wind das Manövrierverhalten der „Coral Ivory“ beeinflusste, soll durch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg geklärt werden. Die Bundesstelle hat die Untersuchung des Unfalls übernommen.

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