Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Nord-Ostsee-Kanal Schleusen auf fürs Jahrhundertprojekt
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Schleusen auf fürs Jahrhundertprojekt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 13.12.2013
Von Frank Behling
Der Abschnitt zwischen Königsförde und Groß Nordsee macht den Anfang beim Kanalausbau. Quelle: FB
Kiel

Auf 532 Seiten haben die Frauen und Männer um Jörg Brockmann und Sönke Meesenburg von der Planungsgruppe des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau in akribischer Feinarbeit alles zusammengetragen, was irgendwie beim Ausbau zu beachten ist – angefangen von den Arbeitszeiten der Baumaschinen über die Lebensräume der Kreuzottern bis hin zur Verklappung des Baggerguts.

 Seit 2006 ist Brockmann mit dem Projekt Kanalausbau vertraut und kennt wohl jeden Stein zwischen Kiel und Königsförde. „Wir haben von Anfang an den Dialog mit den Anwohnern gesucht“, sagt Brockmann. Mehrfach gab es Auslegungen der Pläne und Diskussionsrunden.

 Nicht ohne Grund: Es geht um ein Großprojekt, bei dem in drei Bauabschnitten 6,8 Millionen Kubikmeter Böschung und Uferbereiche weggebaggert werden müssen. Jetzt gab es von der Planungsbehörde grünes Licht für den ersten Abschnitt zwischen Königsförde und Groß Nordsee bei Schinkel. 70 Millionen Euro soll der Ausbau dieses Bereichs kosten und vier Jahre dauern. Im Anschluss folgen die nächsten beiden Abschnitte bis Kiel. Wenn alles glatt läuft, soll das Projekt 2023 abgeschlossen sein.

 Im Gegensatz zu vielen anderen großen Infrastrukturprojekten gibt es diesmal die Unterstützung der Umweltschützer. „Die Planung des Kanalausbaus zeigt, wie ein Großprojekt vorbildlich geplant werden kann. Man hat uns und den Naturschutz frühzeitig mit in die Planung eingebunden. Die Planer sind auf all unsere Vorschläge eingegangen. Der Ausbau des Kanals ist aus unserer Sicht auch deswegeb zu begrüßen, da dadurch Verkehr von der Straße auf den umweltfreundlichen Wasserweg gebracht wird“, sagt Michael Ott vom Landesnaturschutzverband. „Wir haben mit diesem Projekt im Gegensatz zu Elbvertiefung und A20 überhaupt keine Probleme“, betonte Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Deutschland.

 Aber auch die Anliegen der Anwohner wurden berücksichtigt. In den Planungsunterlagen finden sich Ersatzpflanzungen, Knickerhalt, Verkehrsinseln, Bolzplätze, aber auch Laufkäfer, Kreuzottern und Aale wieder. Die Arbeitszeiten für die Bagger wurden begrenzt, und die zum Transport eingesetzten Baufahrzeuge dürfen nicht größer als landwirtschaftliche Fahrzeuge sein.

 Lob sprechen auch die Vertreter der Initiative Kiel-Canal aus. „Das Ende des Planungsverfahrens ist für die Lebensader Nord-Ostsee-Kanal ein wichtiger Schritt. Jetzt kommt es natürlich darauf an, dass der Verkehrsminister zu seinem Wort steht“, sagt Jens-Broder Knudsen von der Initiative.

 Der Planfeststellungsbeschluss wird vom 13. bis 27. Januar bei den Gemeinden Altenholz, Dänischenhagen, Dänischer Wohld, Schlei-Ostsee, Achterwehr und in Kiel ausgelegt. Im Internet ist der Plan ab sofort unter der Adresse www.ast-nord.gdws.wsv.de einsehbar. Klagen gegen den Planungsbeschluss können innerhalb eines Monats nach Ende der Auslegung beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig erhoben werden.

 Wenn es im März Baurecht gibt, wird mit der Errichtung einer Zwischenlagerfläche für Baggergut am Flemhuder See begonnen. Ist die Lagerfläche fertig, kann mit den Arbeiten an der Kanalböschung auf der Nordseite des Kanal bei Königsförde losgelegt werden.

 Die Schifffahrt wird derzeit weiterhin durch die Schleusensituation in Brunsbüttel gebremst. Da dort nur eine große und eine kleine Schleusenkammer einsatzbereit sind, betrug die Wartezeit für Schiffe in den vergangenen Tagen bis zu 24 Stunden. Deshalb sind viele Schiffe abgedreht und haben den Weg rund Skagen genommen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige