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Nord-Ostsee-Kanal Aida ließ Kanal links liegen
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Aida ließ Kanal links liegen
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14:46 23.04.2018
Die Probleme mit den Schleusen führen auch am Montag zur Wartezeiten auf der Förde und der Elbe. Quelle: Frank Behling
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Kiel/Brunsbüttel

In der Nacht hatte mit erheblicher Verzögerung das 228 Meter lange Kreuzfahrtschiff „Viking Sea“ den Kanal passieren können. Das Schiff erreichte aber nicht wie geplant am Montag um 6 Uhr Warnemünde. Um die Verzögerung wieder aufzuholen, wird das Schiff vermutlich den Besuch in Kopenhagen am Dienstag absagen. Die Rostocker Reederei Aida Cruises hatte noch am Sonntag reagiert und die Passage des Nord-Ostsee-Kanals für ihre Schiff „Aidacara“ gestrichen. Das Schiff nahm nach der Abfertigung in Kiel direkt Kurs aufs Skagerrak und von dort nach Stavanger in Norwegen.

Erhebliche Mehrkosten für die Reeder

Betroffen sind auch mehrere Containerschiffe, die mit Ladung aus Hamburg und Bremerhaven vor der Schleuse in Brunsbüttel die Nacht vor Anker lagen. Ein Frachter musste sogar acht Stunden auf einen Platz in der Schleuse warten. „Das bedeutet für die Reeder erhebliche Mehrkosten für Treibstoff und Verspätungen“, sagt Jens-Broder Knudsen, Geschäftsführer der Agentur Sartori & Berger.   

Wie berichtet, war nach einer Havarie am Sonnabend die große Südschleuse in Brunsbüttel außer Betrieb genommen worden. An einer Tor-Nische hatten sich Granitsteine verschoben und drohten, in die Schleusenkammer zu fallen. Außerdem ist ein Schutzblech verbogen worden. Da am Wochenende auf der Schleuse  keine Bereitschaft für derartige Notfälle auf der Schleuse vorgehalten ist, musste die Kammer aus Sicherheitsgründen bis Montag gesperrt werden. Erschwert wurde die Situation in Brunsbüttel zusätzlich durch den Ausfall der kleinen Nordschleuse, die aufgrund technischer Probleme ebenfalls nicht einsatzbereit ist.

"Kanal muss verlässliche Wasserstraße sein"

Besonders viel Kritik gab es von dem Kapitän des Kreuzfahrtschiffes „Viking Sea“. „Es kann jetzt passieren, dass diese Reederei den Kanal aus dem Fahrplan nimmt“, sagte Knudsen. Ähnlich hatten Reedereien von Kreuzfahrtschiffen auch nach den Problemen 2013 reagiert. Die Folge: Bis 2016 sank die Zahl der Passagen von Kreuzfahrtschiffen von über 100 auf etwa 70. In diesem Sommer gibt es erstmals wieder deutlich über 100 Anmeldungen für Passagen von Kreuzfahrtschiffen. „Der Kanal muss einfach eine verlässliche Wasserstraße sein“, sagt Knudsen. Anders als bei Containern, Kohle oder Öl haben Passagiere ganz andere Rechte, wenn beispielsweise ein Fahrplan nicht eingehalten wird. „Das schaut sich keine Reederei lange an. Dann wird eben umgeroutet“, so Knudsen.

Wann in Brunsbüttel die beiden ausgefallenen Schleusenkammern wieder freigegeben werden, steht noch nicht fest. Erst im Laufe des Montags soll es nach ersten Untersuchungen neue Erkenntnisse über den Zustand der Schleuse und die mögliche Freigabe der Kammern geben. Die Reparatur soll nach ersten Erkenntnissen in wenigen Stunden erfolgen können.

Task Force für Notfälle gefordert

„Es ist einfach nicht nachvollziehbar, wieso gerade in einer so angespannten Situation nicht alles getan wird, um den Kanal am Laufen zu halten“, kritisiert Knudsen.  Er erinnerte an die vom Bundesverkehrsministerium zugesagte Bereitstellung einer „Task Force“ für derartige Notfälle. „Wir brauchen so etwas jetzt. Hier muss jetzt gehandelt werden, damit die Behörden vor Ort endlich in die Lage versetzt werden, solche Probleme schnell zu lösen“, so Knudsen, der auch Vorsitzender des Interessenverbandes „ Initiative Kiel Canal“ ist.

Zuvor hatte es auch schon am Freitag deutliche Kritik an den sehr langen Planungszeiten bei Bauprojekten gegeben. „Havarien gab es am Kanal immer, das lässt sich auch nicht verhindern. Früher wurde nur schneller reagiert und die Planungszeiten waren kürzer“, sagte Stefan Borowski, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK 2 aus Kiel.  Aus Sicht der Lotsen ist es für den Kanal lebenswichtig, dass in Brunsbüttel und Kiel stets vier Schleusenkammern verfügbar sind. In Kiel sind seit 2014 die kleinen Schleusen wegen Baufälligkeit gesperrt. Der Ersatzbau wird seit zwei Jahren geplant. Ein Baubeginn soll irgendwann ab 2020 sein. „Das ist für einen Ersatzbau einfach viel zu lange“, kritisiert  Borowski.

Von Behling Frank

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