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Nord-Ostsee-Kanal Eine Wasserstraße von Welt
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Eine Wasserstraße von Welt
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07:31 12.08.2013
Von Frank Behling
Containerschiffe wie die „Aura“ aus den Niederlanden bei der Passage des Streckenabschnitts zwischen der Hochbrücke Hochdonn (im Hintergrund) und Schafstedt sind heute die wichtigsten Kunden im Nord-Ostsee-Kanal. Quelle: Behling
Kiel

Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Doch immer öfter schicken Reeder dieser Tage ihre Schiffe auf die Ausweichroute um Skagen. „Wenn sich die Reeder erst an diese Route gewöhnen, können wir hier einpacken“, sagt Gerald Immens vom Nautischen Verein in Kiel. Anders als beim Suezkanal oder beim Panamakanal ist die Alternative beim Nord-Ostsee-Kanal nicht sehr weit weg. „Ja, der Kanal hat eine geographisch deutlich näher gelegene Alternative als die beiden anderen Kanäle“, bestätigt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied beim Verband Deutscher Reeder.

 Für die Strecke von Hamburg nach St. Petersburg in Russland muss ein Containerschiff durch den Nord-Ostsee-Kanal etwa 870 Seemeilen (1180 Kilometer) kalkulieren. Die Fahrtzeit beträgt dann drei Tage. Der Weg um Skagen ist etwa 500 Seemeilen länger und würde je nach Wetter und Strömung fünf bis sechs Tage Reisezeit benötigen. Die zwei Tage Differenz schlagen besonders beim Treibstoff zu Buche, rechnet Nagel vor. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 45 Tonnen Kraftstoff pro Tag spart ein Reeder bei der Wahl des Kanals bis zu 140 Tonnen Treibstoff. Bei einem Preis von 600 Euro pro Tonne schlägt die Skagen-Route mit etwa 84000 Euro Mehrkosten ins Kontor.

 Bei Suez- und beim Panamakanal sind die Ausweichrouten dagegen bis zu 30 Tage länger. Da summieren sich die Einsparungen beim Treibstoff auf über 800000 Euro. Dafür liegen die beiden Kanäle auch bei den Gebühren deutlich höher als der Nord-Ostsee-Kanal. Kostet hier die Passage für ein Containerschiff zwischen 5800 und 10000 Euro, so liegen die Tarife in Panama und Suez sämtlich im Bereich jenseits der 100000 Euro.

 Bei den Verkehrszahlen führt der Nord-Ostsee-Kanal deshalb auch nur bei der nackten Zahl der Schiffe. 34879 Frachter, Tanker und Traunschiffe wurden 2012 zwischen Kiel und Brunsbüttel gezählt. Sie beförderten 104 Millionen Tonnen Güter. Den Panama-Kanal passierten 2012 zwar „nur“ 14544 Schiffe, diese hatten aber 333 Millionen Tonnen Ladung an Bord. Tonnage-Weltmeister ist der Suezkanal. 17225 Schiffe beförderten im vergangenen Jahr 740 Millionen Tonnen hindurch. Das liegt in erster Linie daran, dass die Wasserstraße zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer die Hauptverbindung zwischen Asien und Europa ist. Die Schiffe sind im Suez im Durchschnitt über 60000 BRZ groß – im Nord-Ostsee-Kanal sind es etwa 5000 BRZ.

 Der Suezkanal ist auch Rekordhalter bei den Einnahmen. Wie die staatliche Betreibergesellschaft ausweist, wurden 2012 über 5,1 Milliarden Dollar eingenommen. Das Gebührenaufkommen am Panamakanal lag bei 1,8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Nord-Ostsee-Kanal brachte dem Bund 2012 etwa 25 Millionen Euro Gebühren.

Verdi will den Streik verschärfen

Die Streiksituation am Nord-Ostsee-Kanal hat sich am Sonntag erst einmal wieder etwas entspannt. Jedenfalls kurzfristig. In der Nacht zu Sonntag endeten die Streikmaßnahmen der Wasser- und Schifffahrtsämter Brunsbüttel und Tönning, an der sich nach Gewerkschaftsangaben rund 150 Mitarbeiter beteiligt hatten.

Doch die Ruhepause währt wohl nur kurz. Am Mittwoch sind die Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsämter in Kiel, Rostock und Stralsund zum Streik aufgerufen. „Donnerstag und Freitag soll auch in Brunsbüttel wieder gestreikt werden“, sagt Gewerkschaftssekretär Jochen Penke. Damit dürfte es ab Mittwoch auf dem Kanal wieder sehr ruhig werden.

Verschärft wird die Lage wie berichtet durch den zusätzlichen Ausfall einer großen Schleusenkammer in Kiel-Holtenau. Dort stehen bis in den Oktober hinein Reparaturarbeiten an. „In dem Zusammenhang muss klar gestellt werden, dass nicht die Streiks den Kanal zugrunde gerichtet haben, sondern die Jahrzehnte des Sparens durch das Bundesministerium“, sagte Penke.

Die derzeitige Streikserie soll bis Freitag gehen. Danach werde es eine Pause geben. Am 20. August soll die nächste Streikwelle beginnen. „Das wird dann aber zunächst andere Bundesländer betreffen“, so Penke. Auch flächendeckende Streiks über mehrere Bundesländer seien denkbar.

Ziel sei es, den Bundesverkehrsminister an den Verhandlungstisch zu bekommen und mit den Vorbereitungen für einen Tarifvertrag zur Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu beginnen. „Ein Anruf genügt, und wir hören sofort mit dem Streik auf“, sagt Penke. Die reine Zusage des Ministers, dass der Abbau von 3000 Stellen sozialverträglich erfolgen werde, sei nicht genug bei einer Reform, die bis 2020 gehen soll.

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